Nebenklägerin: Antisemitismus tief in Deutschland verwurzelt
Magdeburg (dpa) - Eine Nebenklägerin im Halle-Prozess hat mit emotionalen Worten auf einen alltäglichen Antisemitismus in Deutschland hingewiesen und Zivilcourage gefordert. "Antisemitismus und rechtsradikale Ideologie sind in Deutschland kein neues Phänomen. Antisemitische Übergriffe sind ein trauriger Teil unseres alltäglichen Lebens und sind somit Symptome eines zutiefst in der deutschen Gesellschaft verwurzelten Antisemitismus", sagte Christina Feist am Dienstag kurz vor dem Prozessstart in Magdeburg. "Es ist allerhöchste Zeit, dass wir diese schamvolle Wahrheit endlich anerkennen." Jeder Angriff sei ein Angriff auf die Demokratie, auf die offene Gesellschaft. Zivilcourage und Einmischen seien gefragt.
Feist sagte: "Am 9. Oktober 2019 feierten Jüdinnen und Juden in der ganzen Welt Jom Kippur. Das ist der höchste jüdische Feiertag. Ich selbst habe diesen Tag in der Synagoge in Halle verbracht und habe das Attentat überlebt." Und weiter: "Ich stehe heute vor Ihnen als Teil der Nebenklage im Prozess gegen den Täter und in wenigen Augenblicken werde ich diesem Täter im Gerichtssaal gegenüber stehen und ich werde wissen, dass ich noch lebe und dass ihm der Prozess gemacht wird."