Magdeburg l Mehrheitlich hat der Aufsichtsrat der Uni-Klinik Magdeburg am Donnerstagabend grünes Licht für Verhandlungen mit dem Mediziner Hans-Jochen Heinze für die Besetzung des Klinik-Chefpostens gegeben. Der bundesweit renommierte Arzt aus Magdeburg erhält formal den Vorzug vor dem zweitplatzierten Bewerber aus Lübeck, Hendrik Lehnert. Auch der war bereits in Magdeburg tätig. Zum 1. April könnte Heinze nun den scheidenden Klinik-Chef Jan Hülsemann ablösen. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Wissenschaftsminister Armin Willingmann (SPD), äußerte sich nicht zur Entscheidung, sagte aber, er wolle Verhandlungen vor Weihnachten abschließen.

Vorausgegangen waren Gerüchte um überhöhte Gehaltsforderungen Heinzes. Nach Medienberichten hatte er 550.000 Euro Jahresgehalt gefordert – viel mehr als etwa Kanzlerin Angela Merkel (CDU, 330.000 Euro) verdient. Heinze, der die Klinik für Neurologie leitet, war über Jahre Vorsitzender des Wissenschaftsrats in der Medizin, dem höchsten Beratungsgremium für die Politik. Außerdem leitet er die Verhaltensneurologie im Magdeburger Leibniz-Institut. Kenner sagen, Heinze sei ein Glücksfall für den Wissenschaftsstandort, er spiele „Champions-League“.

Warum aber drangen Gehaltswünsche einen Tag vor der entscheidenden Vorstellungsrunde der beiden Bewerber im Aufsichtsrat nach außen? Heinze selbst sprach gegenüber der Volksstimme von einer „Kampagne“. Professoren und Ärzte hätten ihn gebeten, den Chef-Posten zu übernehmen. „Ich habe sogar angeboten, das unentgeltlich, nebenamtlich zu machen.“ Doch das sei nicht gewünscht gewesen.

Heinze polarisiert

Fest steht: Heinze polarisiert, er gilt als unbequemer Sanierer. Sein Engagement hat er an Investitionen in den Standort geknüpft. Unter Beschäftigten herrsche Verunsicherung, die Ärzteschaft sei gespalten, heißt es im Klinikum hinter vorgehaltener Hand - einerseits. Seriöse Quellen berichten aber auch, die Gehaltswünsche könnten lanciert worden sein, um Heinze zu schwächen. Im Aufsichtsrat sitzen neben dem Vorsitzenden Armin Willingmann auch Finanzminister André Schröder (CDU), Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) sowie externe Experten. Aus der Ärzteschaft kommen Gerüchte, Grimm-Benne wollte Heinze als Chef verhindern. Die Ministerin wies das scharf zurück: Heinze sei eine Koryphäe. Sie habe nichts gegen ihn, betonte Grimm-Benne am Freitag. Aber sie stehe auch für die Gehälter von Pflegekräften. „Hier muss es ein gerechtes Verhältnis geben.“

Uniklinik-Chefs verdienen bundesweit üblicherweise zwischen 300.000 und 600.000 Euro im Jahr. Heinze verdient nach Volksstimme-Informationen auch in seinen aktuellen Funktionen gut 400 000 Euro. Wie die Volksstimme erfuhr, hat der Aufsichtsrat die Verhandlungsobergrenze für den Klinik-Chefposten inzwischen gesenkt – auf unter 400.000 Euro.

Die Uniklinik steht vor großen Herausforderungen. Erst im Sommer machten 24 Professoren in einem Brandbrief an Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) erneut auf einen immensen Investitionsstau aufmerksam. Die Unterzeichner, unter ihnen auch Hans-Jochen Heinze, forderten eine Vision, um den Standort wettbewerbsfähig zu erhalten.