Halle (dpa) l Rund 191.000 Wahlberechtigte sind erneut aufgerufen, am kommenden Sonntag den Oberbürgermeister von Halle zu wählen. Bei der ersten Runde vor knapp zwei Wochen konnte keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreichen, nun kommt es zur Stichwahl zwischen Amtsinhaber Bernd Wiegand (parteilos) und seinem rot-rot-grünen Herausforderer Hendrik Lange (Linke). Bei der ersten Runde der Wahl am 13. Oktober hatte Wiegand rund 44 Prozent der Stimmen bekommen, Lange rund 25.

Für die beiden gehe es vor allem darum, ihre jeweiligen Lager zu mobilisieren, sagt Politikwissenschaftler Michael Kolkmann von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Nach der – für eine hallesche Oberbürgermeisterwahl – hohen Wahlbeteiligung von gut 42 Prozent in der ersten Runde, werde diese bei der Stichwahl am Sonntag voraussichtlich sinken. Kolkmann geht davon aus, dass die Beteiligung an diesem Sonntag "deutlich" unter 42 Prozent liegen wird und "vielleicht noch nicht mal 30 Prozent erreicht".

Ob der rechtsextreme Terroranschlag mit zwei Todesopfern Auswirkungen auf die Wahlentscheidung der Bevölkerung hat, sei derzeit Spekulation, so Kolkmann. Dies müsse man durch Nachwahlbefragungen herausfinden.

Laut dem Forscher sind neben der Wahlbeteiligung zwei weitere Punkte beim Blick auf die Wahl entscheidend: Das gute Abschneiden von Wiegand in der ersten Runde und das Ausbleiben einer Wahlempfehlung der unterlegenen Kandidaten. Dass Wiegand am 13. Oktober bereits rund 44 Prozent der Stimmen bekam, wertet Kolkmann als Erfolg für den Amtsinhaber, denn Wiegand stand mit seinem Vorgehen immer wieder in der Kritik.

Streit gab es etwa über seine Entscheidung beim Bau eines Hochwasserdamms zwischen der Alt- und der Neustadt von Halle. Der Bau wurde zunächst von Gerichten untersagt. Gleich zu Beginn seiner Amtszeit gab es Vorwürfe, er hätte enge Mitarbeiter zu gut bezahlt. Eine Anschuldigung, von der Wiegand freigesprochen wurde.

Wiederwahl in Halle fraglich

Ob Wiegand am Sonntag aber tatsächlich wiedergewählt wird, ist offen. Er selbst hatte sich bei der vergangenen Wahl 2012 in der Stichwahl durchgesetzt. Dort siegte er gegen den CDU-Kandidaten Bernhard Bönisch und wurde Halles erstes parteiloses Stadtoberhaupt. Der Wahlsieg kam damals überraschend, in der ersten Runde hatte Bönisch mit Abstand die meisten Stimmen geholt.