Magdeburg (dpa) l Menschen, die Opfer einer Straftat geworden sind, können in Sachsen-Anhalt Unterstützung bei Gericht erhalten. Derzeit arbeiten im Land acht sogenannte Prozessbegleiter. Sie beraten unter anderem die Betroffenen, klären über die nächsten Verfahrensschritte auf und vermitteln weitere Hilfsangebote, wie der Sprecher des Justizministeriums, Detlef Thiel, erklärt.

Insbesondere Kinder und Jugendliche, die Opfer von Gewalt- oder Sexualdelikten geworden seien, hätten einen Anspruch auf eine psychosoziale Prozessbegleitung. "Nach einer Straf- oder Gewalttat ändert sich für viele Opfer ihr gesamtes Leben", sagt Thiel. Nichts sei mehr so, wie es einmal war.

Die Belastung mindern

"Sie müssen versuchen, die Tat und die Tatfolgen in ihre Lebensgeschichte zu integrieren", erklärt der Ministeriumssprecher. Oft fühlten sich die Betroffenen alleingelassen und selbst von Familienangehörigen oder Bekannten unverstanden. Prozessbegleiter würden ihnen dabei helfen, die psychische Belastung zu mindern.

Den Angaben zufolge gibt es seit dem 1. Januar 2017 für besonders Schutzbedürftige einen Anspruch auf eine Prozessbegleitung während des gesamten Strafverfahrens. Dazu muss ein Antrag bei Gericht gestellt werden. 2018 gab es laut Justizministerium insgesamt zwölf Anträge in Sachsen-Anhalt. In elf Fällen seien Prozessbegleiter beigeordnet worden, hieß es. Im Jahr zuvor wurden 15 Anträge gestellt und zwölf Prozessbegleiter beigeordnet. Die Zahlen beziehen sich laut Ministerium auf Angaben des Statistischen Landesamts.

Unter anderem wurde im vergangenen Jahr eine junge Klientin wegen einer sexuellen Gewalttat von einer Prozessbegleiterin bei mehreren Terminen unterstützt, berichtet Thiel. Im Vorjahr wurden zudem drei Brüder in einen Prozess wegen Missbrauchs, Verleitung zur Prostitution und Verbreitung von kinderpornografischen Schriften unterstützt. Um die Hilfe hatten die jeweiligen Familienhelfer der Jungen gebeten, hieß es.

Besondere Herausforderungen

Prozessbegleiter stehen bei ihrer Arbeit vor besonderen Herausforderungen. Unter anderem sollten sie mit den Betroffenen vorab nicht über die Tat sprechen, wie der Ministeriumssprecher erklärt. Zudem müssten sie flexibel, äußerst qualifiziert und engagiert sein. Die psychosoziale Prozessbegleitung ist den Angaben nach eine von mehreren Tätigkeiten des sogenannten Sozialen Dienstes der Justiz. Dazu gehört unter anderem auch die Gerichtshilfe und Opferberatung. Landesweit gibt es sechs Dienststellen des Sozialen Dienstes der Justiz.