Nedlitz l „Prima gemacht“, ist Simone Holldorf nicht erfreut, als sie das vorösterliche Geschenk sieht, das ihr eine Henne gemacht hat. Direkt am Zaun des Geheges, in dem die eierlegenden Straußendamen herumlaufen, liegt ein glänzend weißes Oval. Doch der gefiederte „Osterhase“ hat es geschafft, den Hartschalen-Nachwuchs direkt auf einen Stein fallen zu lassen. Das Ergebnis: Das Ei hat einen kleinen Knacks, was natürlich den Verkaufspreis drückt. „Aber für rund zehn große Portionen Rührei ist es immer noch gut“, schmunzelt die 47-Jährige.

Inspiration in Südafrika

 

Seit 2004 gibt es das Familienunternehmen am Bahnhof Büden, einem Ortsteil von Möckern. Geboren wurde der Gedanke, eine Straußenfarm aufzubauen, nach einem längeren Aufenthalt auf dem Schwarzen Kontinent.

„Mein Mann und ich sind damals zwei Monate lang durch das südliche Afrika gereist. Da ich schon als Kind Interesse an den großen Laufvögeln hatte, haben wir uns auch Straußenfarmen angeguckt.“ Das sei die letzte Inspiration für sie gewesen und der Entschluss, so etwas auch zu Hause auf die Beine zu stellen, habe Formen angenommen.

Bilder

Die damalige Magdeburgerin hatte sich nach ihrer Rückkehr umgesehen, wo eine entsprechende Fläche angeboten wurde, und war an der stillgelegten Bahnstrecke Biederitz–Altengrabow fündig geworden.

Landschaft neu modelliert

Holldorf beschreibt am Verkaufslädchen mit dem kleinen Garten-Café davor einen Halbkreis über das fünf Hektar große Gebiet mit den verschiedenen Straußen-Freiflächen. „Sie hätten das damals mal sehen sollen. Wir mussten erstmal alles beräumen, sanieren und das Gebiet neu modellieren.“ Was der ausgebildeten Landschaftsbauerin nicht sonderlich schwer fiel.

Und der Aufwand hat sich gelohnt. Im Sommer vor 15 Jahren war das Gehege Nummer 1 fertig und die ersten 15 Küken – ein Vierteljahr alt – zogen ein.

Die Eierlegerinnen im Gehege sind sichtlich erfreut darüber, als Straußen-Mutti Simone den Wassertrog nachfüllt und sie ruhig anspricht.

Doch noch interessierter sind sie an dem Fremden, der ihnen in ihrer guten Stube so dicht auf die Federn rückt. Einer Henne hat es besonders meine Jacke angetan. Sie möchte unbedingt wissen, was es mit dem kleinen, braunen Lederschild an meinem rechten Oberarm auf sich hat. Immer wieder senkt sie aus rund 1,80 Metern den Kopf, um mit ihrem Schnabel am Logo zu knabbern. „Passen Sie auf Ihre Kamera auf! Die Damen sind sehr neugierig“, warnt die Farm-Chefin.

Ausschließlich als fleisch- und eierproduzierenden Betrieb sieht sich Holldorf nicht. „Wir sind auch ein Erlebnisland – ein Stück Afrika – mit Farmgastronomie.“

Alles dreht sich dabei natürlich um den Strauß: Straußenfleisch, Bouletten, Würste, Straußen-Eierlikör, Eierkuchen, Federn und einige ausgesuchte Stücke Leder bietet ihr Shop an.

Zwei Freigehege weiter regiert Johan, der Zuchthahn. Im Gegensatz zu seinen weiblichen Artgenossen ist er nicht sonderlich erfreut über den Fremdling unter seinem langen Hals. Aus knapp zweieinhalb Metern blickt er misstrauisch auf den vermeintlichen Balz-Konkurrenten.

Henne heißt Gertrud

Außer dem Hahn im Korb hat nur noch Henne Gertrud einen Namen. Rund 70 Straußen unterschiedlicher Altersgruppen leben im Straußenland. Eine Henne legt während der Zuchtsaison zwischen März und August rund 40 Eier.

„Eine Stunde muss ein Straußenei kochen, damit es gar ist“, sagt die Chefin. Und: „Die Schale ist etwa drei Millimeter dick.“ Die Besucher der 30-Minuten-Führung, die im Ein-Stunden-Rhythmus angeboten werden, würden jedes Mal staunen, wenn sie über die Härte spricht und sagt, dass das Ei ein Gewicht bis zu 120 Kilogramm aushält.

Weniger Cholesterin

Das Innere eines Straußeneis entspricht 24 Hühnereiern. „Aber einfach am Pfannenrand aufschlagen ist nicht“, sagt die Mutter aller Strauße. „Die einen versuchen es mit einer Feile, andere nehmen den Bohrer.“

Und der geschmackliche Unterschied? „Straußeneier haben weniger Cholesterin, als Hühnereier, und ich finde, dass sie einen feineren Geschmack haben.“

Am Ostersonntag und -montag hat der Familienbetrieb geöffnet – jeweils von 10 bis 17 Uhr. Und natürlich können Kinder Ostereier suchen. „Natürlich keine Straußeneier“, so Holldorf. „Die zu finden, wäre dann ja wohl doch ein bisschen zu leicht.“

Teures Leder

Simone Holldorf legt ein Stück Straußenleder auf den Tisch – vom Bein des Laufvogels. Es ist weichgegerbt und die Chefin vom Straußenland sagt, dass dieses Leder nicht für ‘n Appel und ein (Straußen-)Ei zu haben ist. „Für eine Damenhandtasche muss man schon 500, 600 Euro auf den Tisch legen.“

Die Vorbereitungen auf das Osterfest sind fast abgeschlossen. Der Kuchen ist gebacken, der Grill für die Straußenbouletten und -würstchen aufgebaut. Und wer Waffeln bestellt, kann sicher sein, dass sie mit Straußeneiern gebacken wurden.

Na, dann: Darauf einen Straußen-Eierlikör.