Magdeburg l Aufregung um das Handyspiel Pokémon Go gab es am Dienstag auf dem Sket-Gelände in Magdeburg-Buckau. Dort liegt eine Anlaufstelle für Spieler – ein Pokéstop – hinter einem Zaun, der ein einsturzgefährdetes Gebäude absichert. „Wir wissen nicht, wie Nintendo darauf kommt, so etwas ins Internet zu stellen“, sagt Thomas Naujoks von der Mitteldeutschen Sanierungs- und Entsorgungsgesellschaft, die das Gebäude betreut. Er sorgt sich um die Sicherheit der Spieler. Auch die Nachbarn vom Transportunternehmen Hocon fanden einen Pokéstop auf ihrem Firmengelände, das abends und nachts verschlossen ist. Pokémon Go warnt Spieler zwar davor, Privatgelände zu betreten, trotzdem häufen sich Berichte zu deutschen Spielern, die Hausfriedensbruch begehen. Gefährliche Anlaufstellen und solche, die sich auf privatem Grund befinden, können gemeldet und entfernt werden, hieß es vom Entwickler Niantic.

Hausfriedensbruch und gefährliche Orte sind nicht das einzige Problem bei dem Spiel. Experten sehen auch andere Bereiche mit Sorge:

Datenschutz: Das Magdeburger Institut für IT-Sicherheit AV-Test kritisiert den Umgang des Anbieters mit Spielerdaten – zum Beispiel Bewegungsprofile. Die zeigen haargenau an, wann sich der Spieler wo aufhält. „Der Anbieter räumt sich fast grenzenlose Rechte an den Informationen ein“, erklärt Datenschützer Olaf Pursche. Sie könnten beispielsweise weiterverkauft werden – sogar dann noch, wenn ein Profil gelöscht ist. Die Gefahr dabei: „Wenn eine Firma Daten aus unterschiedlichen Quellen wie Facebook, Google – und eben Pokémon zusammenkauft, erhält sie ein sehr genaues Bild von einer Person.“ Das werde dann etwa genutzt, um personifizierte Werbung zu erstellen. Rein technisch könne die Pokémon-App auch weitere persönliche Daten, wie zum Beispiel Whatsapp-Verzeichnisse, abgreifen.

Verkehr: In den USA hat die Pokémon-Jagd schon zu Verkehrsunfällen geführt. Christine Rettich vom ADAC Sachsen-Anhalt befürchtet auch hierzulande eine steigende Unfallgefahr: „Wenn man durch das Spiel auf dem Handy abgelenkt ist, dann ist das enorm gefährlich.“ Besonders bedenklich findet sie Pokéstops an Autobahnraststätten, weil sie Autofahrer dazu verleiten könnten, am Steuer zu spielen. An sie, aber auch an Fußgänger und Radfahrer appelliert sie: „Die App sollte nur außerhalb des Verkehrsraums genutzt werden.“

Kosten: Das Spiel selbst ist zwar kostenlos. Allerdings kann man virtuelle Münzen kaufen, die sich in Gegenstände eintauschen lassen – etwa Köder oder Pokébälle zum Monsterfang. Die Münzen gibt es ab 99 Cent. Die Initiative „Schau hin! Was dein Kind mit Medien macht“, hinter der unter anderem das Bundesfamilienministerium steht, warnt: „Zwar kann man sich die Gegenstände auch erspielen, doch kann schnell der Druck entstehen, Geld auszugeben, um im Spiel schneller weiterzukommen.“

Kirchen und Gedenkorte: Das Spiel macht auch vor Kirchen und Orten des Gedenkens wie Friedhöfen keinen Halt. Die Stiftung Bayerische Gedenkstätten protestierte bereits gegen Pokémon-Jagden in KZ-Gedenkstätten. Pfarrer Ronny Hillebrand von der Domgemeinde Magdeburg sieht es grundsätzlich nicht gern, wenn in der Kirche mit dem Handy herumhantiert wird. „Mir ist es lieber, wenn das Smartphone aus bleibt.“ Dass das Spiel Nutzer dazu bringt, den Dom zu erkunden, bezweifelt er.