Magdeburg l Bei der 67 Jahre alten Erdmute K. klingelt das Telefon. Es meldet sich ein Kriminalhauptkommissar. Dieser teilt der Magdeburgerin mit, dass bei einem Einbrecher, der gerade festgenommen wurde, eine Namens-Liste gefunden worden ist.

„Ihr Name steht auch darauf. Haben Sie schon überprüft, ob etwas fehlt?“ Die Rentnerin ist unsicher. „Ich schicke am besten mal einen Beamten vorbei“, so die Stimme am anderen Ende der Leitung.

Nur Minuten später steht ein „Polizist“, der „gerade etwas in der Nachbarschaft zu tun hatte“, vor ihrer Tür. „Wo bewahren Sie Ihr Geld auf?“

Wenn nun der Gefragte dem „Polizisten“ das Ersparte zeigt und froh ist, dass nichts gestohlen wurde, benutzt der falsche Beamte eine Gelegenheit, um die echten gegen falsche Scheine auszutauschen.

Der Einfallsreichtum der Ganoven kennt keine Grenzen. Das weiß auch Andreas von Koß vom Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt. „Vom 1. Januar bis 31. Oktober 2017 wurden 95 Fälle angezeigt, bei denen sich Personen am Telefon als Polizisten ausgaben, um so zum Beispiel an persönliche Bankdaten heranzukommen.“ Nicht erfasst seien die Fälle, wo falsche Polizisten an der Haustür geklingelt haben.

Nummer ist richtig

Bei den rund 500 Fällen von Telefonbetrügereien jeglicher Art fielen 20 Prozent auf falsche Polizisten. Nach Erkenntnissen des Landeskriminalamts kommen die Anrufe oft über ausländische Callcenter. Verbindungsleute gebe es allerdings vor Ort. „Auf dem Display erscheint durch einen technischen Trick zum Teil die 110 oder die Nummer der örtlichen Polizei.“ Auch von Koß kennt die Geschichte der falschen Polizisten, die die Angerufenen verunsichern, indem sie sagen, dass Wertsachen im Haus nicht mehr sicher seien. „In einigen Fällen wird ein ,Beamter‘ vorbeigeschickt, der Bargeld oder Wertgegenstände für wenigstens eine Nacht – natürlich gegen Quittung – an einen sicheren Ort bringt.

Dass es immer mehr „Telefon-Maschen“ gibt und Ganoven in letzter Zeit immer häufiger auf den Trick mit dem falschen Polizisten setzen, weiß auch Lothar Schirmer. Der Kriminalrat a. D. beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit den Betrugsmaschen.

„Etwas ganz Neues ist die Sache mit einem großen Lotterie-Gewinn“, sagt der Ex-Kriminalist. Da teile eine Hamburger Rechtsanwaltskanzlei am Telefon mit, dass der Angerufene in einer spanischen Lotterie mehrere 10.000 Euro gewonnen habe.

„Wundert sich nun der „Gewinner“, weil er gar nicht mitgespielt hat, wird lang und breit das System erklärt. Schließlich wird gesagt, dass der Gewinn „zwischenfinanziert werden musste, weil sich ja der Gewinner nicht gemeldet habe und erst gesucht werden musste“. Ein „Lagerbetrag“ von 4000 Euro müsse überwiesen werden.

„Natürlich legen spätestens an diesem Punkt die meisten auf, weil sie meinen, den Braten zu riechen. Aber damit rechnen die Betrüger auch.“

4000 Euro für Kaution

Im zweiten Akt meldet sich ein Beamter vom Bundeskriminalamt. Das BKA sei einer Betrügerbande auf der Spur, die mit einem Gewinn in der spanischen Lotterie arbeitet. Und nun kommt‘s: „Wir haben gerade mit richterlicher Genehmigung Ihr Telefongespräch abgehört. Wir brauchen dringend Beweise für den Betrug. Zumeist rufen die Täter noch ein zweites Mal an. Bitte überweisen Sie die Summe auf dass angegebene Bankkonto. Dann haben wir die Ganoven. Sie bekommen Ihr Geld am nächsten Tag von uns wieder.“

Eine Abwandlung des Enkeltricks ist ein „Schock-Anruf“. Da ruft ein Rechtsanwalt an, der mitteilt, dass ein Enkel einen Verkehrsunfall hatte. Durch geschicktes Ausfragen hatte der Anrufer zuvor Namen und einige Details über Enkelsohn oder -tochter herausbekommen. „Aber kriegen Sie keinen Schreck, Ihr Enkel wird nur ambulant in der Klinik behandelt.“ Die anderen Unfallbeteiligten seien hingegen schwer verletzt. „Die Polizei überprüfe die Sache und dem Enkel drohe Untersuchungshaft. „Das kennen Sie ja aus Filmen. Ihr Enkel durfte einen Anruf tätigen und er hat mich als Anwalt beauftragt.“ Um seine lauteren Absichten zu belegen, holt der Anwalt dann den Polizisten ans Telefon, der den Fall bearbeitet. Dieser Mann sagt, er dürfe aufgrund des laufenden Verfahrens nur so viel sagen, dass eine U-Haft vermieden werden könne, wenn eine Kaution von 4000 Euro hinterlegt werde.

Schirmer: „Wenig später steht der Beamte in Zivil, der sich natürlich ausweist, vor der Tür und nimmt das Geld in Empfang.“

Der Kriminalrat a. D. rät: „Lieber einmal mehr auflegen, wenn einem eine Sache verdächtig vorkommt. Die Polizei wird sich nie telefonisch melden.“

Im Harz ist erneut eine Seniorin dem Enkeltrick zum Opfer gefallen. Die 78-Jährige verlor dabei 20.000 Euro.