Magdeburg l In einem Dorf im Jerichower Land, unmittelbar an der Autobahn gelegen, waren Einbrecher unterwegs. Bereits am Vortag war einer aufmerksamen Einwohnerin ein Transporter aufgefallen, aus dem die Häuser ihrer Straße fotografiert wurden. In der Nacht darauf wurden Häuser ausgeräumt. Allerdings hatten die Männer bei einigen der Eigenheime Pech – sie waren so gut gesichert, dass der Einbrecher-Plan – in fünf Minuten rein und alles rausgeholt – nicht aufging.

„Ein Beispiel dafür, was ordentlicher Einbruchschutz leisten kann“, so Alfred Knoke von der Qualitätsgemeinschaft „Das sichere Haus“, die seit 15 Jahren versucht, Hausbesitzer für das Thema Einbruchsicherheit zu sensibilisieren. Und ein Blick auf die Statistik macht Mut. Zwar war 2018 das Jahr mit der zweithöchsten Einbruchzahl seit 2008. Aber bei 44,5 Prozent der Taten blieb es beim Versuch. „Diese Zahl zeigt, dass doch immer mehr Menschen ihre Häuser nachrüsten“, so der Vorsitzende des Arbeitskreises Einbruchsicherheit der Landes-Ingenieurkammer.

„Sicherheit ist planbar“, sagt Knoke und nennt die mechanische Sicherung von Fenstern und Türen als wichtigsten Punkt. „Die Rundzapfen der Fensterbeschläge, die immer noch verbaut werden, sind eine regelrechte Einladung für Einbrecher.“ Sicher seien die Pilzkopfverriegelungen, damit die Fenster nicht aufgehebelt werden können. Preis: 200 bis 300 Euro pro Fensterflügel. „Wenn diese Verriegelung von vornherein eingebaut werden würde“, so Knoke, „wären es nur rund 20 Euro.“

Abschließbare Griffe an Fenstern und Terrassentüren seien ein weiteres Stoppzeichen für Einbrecher. „Wenn die Fenster nicht aufgehebelt werden können, versuchen die Diebe an den Griff zu kommen. Sie schlagen dafür die Scheibe neben dem Griff ein.“

Oder sie stecken von außen ein Werkzeug neben die Scheibe und versuchen den Griff herauszuschlagen. „Abschließbare Griffoliven, für 100 Newtonmeter ausgelegt, sind gut. Bei 200 oder 300 Newtonmeter ist das Herausschlagen unmöglich.“

Folien können Schlagschutz bieten

Schlagschutz bieten Folien, die von Spezialfirmen über die Scheiben gezogen werden. „Drei Millimeter Folie entspricht dem P4A-Sicherheitsglas. Dagegen kann man ein Eisenteil werfen. Das Glas hält.“

An zweiter Stelle, so der Diplomingenieur, stehe die elektronische Sicherung. Anlagen gebe es mit akustischem Signal, mit Direktverbindung zu einem Wachschutzunternehmen oder aufs Handy aufgeschaltet. „Allerdings muss man bedenken, dass es eine Zeitlang dauert, bis auf den Alarm regiert wird. Da sind die Einbrecher zumeist schon weg.“

Das Neueste auf dem Sicherheitsmarkt sei ein sogenannter Infrarot-Vorhang. „Die Vorder- und Rückfront des Hauses kann durch Infrarotstrahlen, die in rund zehn Zentimeter Abstand übereinander liegen gesichert werden. Angeschlossen an 12 Volt oder eine Batterie reagiert die Anlage – wie eine herkömmliche Alarmeinrichtung –, wenn mindestens zwei Strahlen unterbrochen werden.

Häuser nach Standards sichern

Alfred Knoke ist Initiator und Mitbegründer der Qualitätsgemeinschaft „Das sichere Haus“. Seit acht Jahren vergibt sie für nach geltenden Standards gesicherte Häuser. „Inzwischen sind es mehr als 450 Häuser, die mit der Plakette sichtbar als einbruchsicher gekennzeichnet sind“, sagt Kno­ke. Und er freut sich besonders darüber, dass im August in Sachsen-Anhalt das erste Mietshaus – eines der HWG Halle – damit ausgezeichnet wurde. „Die Wobau in Magdeburg wird wohl demnächst nachziehen“, sagt Knoke

Übrigens: Die aufmerksame Dorfbewohnerin vom Beginn des Artikels hatte sich das Kennzeichen des Transporters notiert. Die Polizei stellte die Täter in Hannover. Auf der Ladefläche lag noch Diebesgut aus dem Jerichower Land.

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