Magdeburg (dpa) l Hingehen statt warten: Das ist die Erfahrung der landesweit ersten Beratungsstelle für Prostituierte in Sachsen-Anhalt. "Die Beratungsstelle ist nicht so frequentiert wie wir es gehofft hatten", sagten die beiden Mitarbeiterinnen Susann und Janine in Magdeburg. Sie wollen nur mit Vornamen genannt werden. Die sogenannte aufsuchende Arbeit sei deutlich erfolgversprechender als in der Anlaufstelle auf die Frauen zu warten. Mit ihren Besuchen in Wohnungen, wo die Prostituierten hauptsächlich arbeiten, hätten sie bislang 200 Frauen erreicht. 45 hätten sie eingehender beraten. Hinzu seien 30 telefonische Beratungen gekommen und 15 Termine im Büro.

Seit einem Jahr gibt es das von der Aktion Mensch finanzierte und von der AWO getragene Projekt "Magdalena". Vor einem halben Jahr eröffnete dann die Anlaufstelle in Magdeburg. "Es ist schwierig, die Frauen in den Treff zu bekommen", schildern die Beraterinnen. "Viele verlassen die Wohnung nur zum Einkaufen und versuchen ansonsten, Geld zu verdienen." Sehr oft handele es sich um reisende Frauen, die nur ein oder zwei Wochen in einer Stadt arbeiteten und dann weiterführen.

Was treibt die Prostituierten um? Susann und Janine begegnen nach eigener Auskunft oft Frauen, die sich einfach etwas von der Seele reden und Dampf ablassen wollen. Für Verunsicherung sorge das Prostituiertenschutzgesetz bei den Frauen. Dieses ist zum 1. Juli in Kraft getreten und sieht etwa vor, dass sich Prostituierte anmelden. Nur: In Sachsen-Anhalt gibt es die nötige Landesregelung noch nicht. Im zuständigen Wirtschaftsministerium hieß es auf Nachfrage, die Abstimmungen zum Landesgesetz liefen. Wann es aber in den Landtag eingebracht werde, sei noch nicht abzusehen.

Fragen nach Steuerrecht

Unterdessen werden Susann und Janine von den Frauen immer wieder nach der Anmeldung gefragt und nach den steuerrechtlichen Vorschriften. Sie sehen ein rasches Gesetz als dringend notwendig an: "Da hängen Existenzen am seidenen Faden."

Was immer wieder auch ein Thema sei: Eine Wohnung zum leben zu finden, nicht zum arbeiten. "Vermieter wollen eine Vorvermieterbescheinigung und den Nachweis einer beruflichen Tätigkeit", sagte Susann. Wenn da das Thema Prostitution auftauche, sei das sehr stigmatisieren, die Vermieter lehnten ab. Vielen Frauen bleibe oft keine andere Möglichkeit als horrende Preise für Bruchbuden zu zahlen.

Als großes Problem seit Projektbeginn hat sich für die Beraterinnen die Sprache herausgestellt. Sie hätten es oft mit Frauen zu tun, die nur das bisschen Deutsch könnten, das sie für ihre Tätigkeit brauchten. Sie hätten daher eine ehrenamtliche Kollegin, die Polnisch spreche. "Das hilft sehr, die Türen gehen auf", erklären Janine und Susann. Im Kontakt mit Asiatinnen, Rumäninnen oder Südeuropäerinnen werde es sprachlich schnell eng.