Berlin/Waddekath l Heute stellt die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) den ersten Bericht mit möglichen Standorten für ein Atom-Endlager vor. In diesem Zusammenhang kommt auch Waddekath in der Altmark wieder ins Gespräch. Einheimische sind alarmiert. Wenn heute vormittag in Berlin der Bericht mit Regionen vorgestellt wird, die nach geologischen Kriterien für ein Atommüll-Endlager grundsätzlich in Frage kommen, dürfte auch Sachsen-Anhalt eine Rolle spielen. „Klar ist, wir haben in der Altmark Salzstöcke und wir haben auch Granitgestein in anderen Regionen des Landes. Damit ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass bestimmte Regionen in Sachsen-Anhalt in eine potenzielle Betrachtung mit hineinkommen werden“, sagte Umweltstaatssekretär Klaus Rehda (Grüne) der Deutschen Presse-Agentur in Magdeburg.

Gesucht wird der beste Ort, um hoch radioaktiven Atommüll eine Million Jahre lang möglichst sicher zu lagern. Das Endlager soll unterirdisch in Salz, Ton oder Granit entstehen. 2031 soll der Standort gefunden sein, ab 2050 sollen Behälter mit strahlendem Abfall eingelagert werden.

In diesem Zusammenhang ist auch das Altmark-Örtchen Waddekath (140 Einwohner, Ortsteil von Diesdorf im Altmarkkreis Salzwedel) wieder in der Diskussion. Unter der Erde befindet sich ein 7,5 Kilometer langer und 2,2 Kilometer breiter Salzstock. Dieser weckt das Interesse in Sachen Endlager. Doch es gibt massive Bedenken wegen möglicher Gefahren.

Die Bürgerinitiative (BI) Saubere Umwelt & Energie Altmark verweist auf die Suche nach Erdgas und Erdöl Ende der 1950er Jahre. Damals sei bei Erkundungsarbeiten der Salzstock komplett senkrecht durchbohrt worden. „Schlecht abgedichtete Bohrlöcher können im Salzstock Waddekath ein erhebliches Gefahrenpotential darstellen“, erklärt BI-Sprecher Dr. Christfried Lenz – die Strahlensicherheit wäre beeinträchtigt. Für ihn kommt die Auswahl trotzdem nicht überraschend. Bei Workshops der BGE, an denen er als Vertreter aus der Region teilnahm, „favorisierte eine Fraktion Salzstöcke“ wie in der Altmark.

Bürgermeisterin kündigt Protest an

Die Einheimischen haben seit Beginn der 1990er-Jahre immer wieder mit dem Thema zu tun. „Wir werden aufstehen und gegen ein Endlager bei uns protestieren“, machte Angelika Scholz, stellvertretende Bürgermeisterin der Gemeinde Diesdorf, auf Nachfrage deutlich. Nicht nur für sie steht fest: Die Risiken für die Bevölkerung sind zu groß. Es gibt auch immer wieder Kritik, da die Öffentlichkeit zu wenig eingebunden werde.

Sachsen-Anhalt hat in Morsleben im Landkreis Börde bereits ein Endlager. Im Salzstock lagern rund 37 000 Kubikmeter atomarer Abfall aus Forschungseinrichtungen, aber auch aus dem früheren DDR-Kernkraftwerk Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern. Seit 1998 gilt ein Einlagerungsstopp. Das Stilllegungsverfahren läuft.