Magdeburg l Beim Prozess vor dem Landgericht Magdeburg, bei dem sich ein ehemaliger Chefarzt aus dem Harz wegen mehrfacher Vergewaltigung, in einem Fall mit Todesfolge und weiterer Straftaten verantworten muss, wurde unmittelbar nach dem Verhandlungsauftakt die Öffentlichkeit erneut ausgeschlossen. Der 42-Jährige soll in zehn Fällen insgesamt fünf Frauen ohne ihr Wissen beim Sex unter anderem Kokain verabreicht haben. Die Drogen seien über die Schleimhäute aufgenommen worden.

Eine 34-Jährige aus dem Harz war zuvor in den Zeugenstand gerufen worden, um Auskunft über Geschehnisse im August 2017 zu geben. Sie soll laut Anklage dem Drängen von Dr. Andrea N. nachgegeben und daraufhin Sex mit dem Angeklagten gehabt haben. Allerdings habe sie ausdrücklich abgelehnt, ein von ihm angebotenes, "Aphrodisiakum" zu nehmen. Trotzdem habe N. ihr heimlich Kokain verabreicht. Das habe sie willenlos gemacht, so dass sie sich gegen weiteren Sex nicht mehr wehren konnte.

In den Einzelheiten ihres Sexual- und Intimlebens, die während der Aussage des Opfers zu Sprache kommen, sah die 1. Große Strafkammer den Grund für einen Ausschluss der Öffentlichkeit. Sie seien geeignet das gesellschaftliche Ansehen zu schädigen, so der Nebenklagevertreter. Das Gericht entschied, das die schutzwürdigen Interessen der Zeugin über denen einer öffentlichen Verhandlung stehen.

Im Anschluss an den nichtöffentlichen Teil trug am Freitag ein Rechtsmediziner sein Gutachten zur Drogenanalyse beim Angeklagten, Dr. Andreas N., sowie drei seiner Opfer vor. N. soll in zehn Fällen insgesamt fünf Frauen ohne ihr Wissen beim Sex unter anderem Kokain verabreicht haben. Eine Frau aus Schönebeck starb.

Beim angeklagten 42-Jährigen stellte der Gutachter in einer Haarprobe eine hohe Konzentration von Kokain und Abbauprodukte fest. Dabei sprach Dr. Sven Hartwig von einem „Spitzenwert“, der ihm noch nicht untergekommen sei. Dieser zeuge von einem „massiven und täglichen Konsum“.

Bei einer Frau aus der Börde wurde der Rechtsmediziner ebenfalls fündig. Allerdings deuteten die Werte lediglich auf „gelegentlichen Umgang mit Kokain“ hin. Die 34-Jährige hatte am Donnerstag ausgesagt, 2017 von N. an zwei Tagen unter Drogen gesetzt und danach vergewaltigt worden zu sein. Das Ergebnis widerspreche dem zweimaligen, von ihr angegebenen ungewollten, Konsum von Kokain nicht. Um den Zeitpunkt der Drogenaufnahme näher bestimmen zu können, erwägt das Gericht, ein Zusatzgutachten in Auftrag zu geben.

Keine Drogen-Spuren wurden in den Haaren einer 34-Jährigen aus dem Harz gefunden. „Aufgrund dessen, dass die Zeugin wenige Tage vor der Analyse ihre Haare gefärbt beziehungsweise gebleicht hat, war ein Nachweis nicht möglich.
Etwas anders sieht die Sache bei der Schönebeckerin aus, die laut Anklage aufgrund der Kokaingabe durch N. gestorben war. Ihre Werte deuteten auf einen intensiven Konsum hin. Bei der Klinikaufnahme seien außergewöhnliche 2,8 Milligramm Kokain im Blut festgestellt worden. Ihr Ehemann hatte jedoch ausgesagt, dass sie mit Drogen „nichts am Hut“ hatte. Dagegen spricht, dass er sie wegen Drogen bei der Polizei angezeigt hatte.

Der Prozess wird am Montag fortgeführt.