Magdeburg l Die zierliche Blondine lächelt die Fotografen im Gerichtssaal an – auch als der Justizbeamte ihr die Handschellen im Magdeburger Landgericht abnimmt. Selbst beim Verlesen der Anklageschrift bleibt die 41-jährige Magdeburgerin gelassen. Dabei wirft Staatsanwalt Arnold Murra ihr Betrug und Untreue in besonders schweren Fällen in 45 Anklagepunkten vor. Ihr drohen bis zu zehn Jahre Haft.

Anja D. soll ihren 62-jährigen Ehemann, den Allgemeinmediziner Hans D., um 900.000 Euro betrogen haben. Auch ihre Schwiegermutter habe sie um 20.000 Euro betrogen und sich unrechtmäßig Zugriff auf ihr Konto verschafft. In einem Fall holte sie gemeinsam mit der Schwiegermutter sogar Geld von der Bank ab, entriss ihr die Tasche mit rund 8800 Euro und fuhr damit davon. Anja D. bestreitet den Vorwurf.

Das Paar ist seit 2012 verheiratet und hat zwei Kinder. Anja D. gab sich laut Anklage als Fachanwältin für Wirtschafts- und Insolvenzrecht aus. Das war sie aber nie. Mit dem vorgetäuschten Titel (das Verfahren dazu liegt bei der Staatsanwaltschaft auf Eis) und einem von ihr selbst vorgeschlagenen Ehevertrag soll sie das Vertrauen ihres Ehemannes ausgenutzt haben. Sie übernahm für ihn die Geschäfte in der Praxis, kümmerte sich um die Post und alle Finanzangelegenheiten. So habe sie später auch alle Mahnungen und Zahlungsaufforderungen zurückhalten können.

Ab dem Jahr 2015 überwies Anja D. immer größere Summen auf ihr Privatkonto. Im Jahr 2017 habe sie zudem einen Mercedes G-Klasse für 106.000 Euro ohne sein Wissen gekauft und, wie sie selbst zugibt, einem bekannten Magdeburger Gastronomen überschrieben. Mit diesem führte sie zu diesem Zeitpunkt eine außereheliche Beziehung. Das Kennzeichen führte sogar die Anfangsbuchstaben der Vornamen – des Gastronomen und von ihr. „Die Ehe war da schon zerrüttet“, sagt Anja D. Der Arzt wird erst am nächsten Verhandlungstag als Zeuge aussagen. Das Paar lebt nach Aussage von Anja D. seit Oktober 2018 getrennt.

Hans D., der seine Praxis inzwischen geschlossen hat, kümmerte sich nach Aussagen von Bekannten um die Kinder, während seine Frau als angebliche Anwältin eines großen europäischen Bauunternehmens in der Welt herumreiste und Geld verdiente – sein eigenes. Sie kaufte auch einen Maserati und einen Mini, ließ beide Wagen auf ihren Namen zu. Das ist zwar nicht Bestandteil der Anklage, kam im Prozess aber zur Sprache. Anja D. streitet die Betrugsvorwürfe ab. „Mein Mann saß bei den Überweisungen daneben“, behauptet sie. Der Prozess wird am 16. Januar fortgesetzt.