Public-Viewing in Corona-Zeiten: Viele Unklarheiten

Die Fußball-EM steht vor der Tür. Viele der Public-Viewing-Events werden in diesem Jahr wohl ausfallen. Veranstalter und Gastronomen müssen jetzt spontan sein.

Von dpa
Ein junger Teilnehmer eines Public Viewings auf bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2018.
Ein junger Teilnehmer eines Public Viewings auf bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2018. Sebastian Willnow/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Magdeburg - Normalerweise wird in Sachsen-Anhalt bei einer Fußball-EM in Stadien, Gärten und Schlössern gemeinsam mitgefiebert, doch in diesem Jahr ist coronabedingt alles anders. Ein beliebter Ort zum gemeinsamen Fußball gucken war immer die Schlosskirche Droyßig (Burgenlandkreis). Doch knapp eine Woche vor dem ersten EM-Spiel in diesem Jahr weiß Ralf Kannegießer, Mitinhaber des Schlossrestaurants, noch nicht was passiert. „Technisch ausgerüstet sind wir“, sagte er. „Wir werden auf jeden Fall irgendwie Fußball übertragen im Park, aber wo und wann können wir noch nicht sagen.“

Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) spricht sich angesichts der rückläufigen Infektionszahlen und der fortschreitenden Impfungen für Public Viewing in einem „geregelten Rahmen“ aus. „Als Fußballfan würde ich mich sehr freuen, wenn wir hier zu praktikablen und gleichwohl verantwortbaren Lösungen kommen“, sagte Willingmann der Deutschen Presse-Agentur. Denkbar wären aus seiner Sicht auch Modellprojekte, die sich an den bereits bekannten Regelungen für Profi-Sportveranstaltungen orientieren könnten. „Ich denke da vor allem an unsere Stadien, Plätze und Parkanlagen.“

Für die Rosenarena im Europa-Rosarium in Sangerhausen (Landkreises Mansfeld-Südharz) wäre so eine Initiative wohl die einzige Möglichkeit, Public Viewing zu ermöglichen. Die Freilichtbühne müsste voll besetzt werden können, damit sich der Aufwand lohne, sagte ein Sprecher der Rosenstadt Sangerhausen GmbH. Wenn sich die Situation also nicht dramatisch verbessere, werde es nichts geben.

Die Biergärten und Gastronomiebetriebe werden es sich dennoch nicht nehmen lassen, zum EM-Schauen einzuladen. „Irgendwas machen wir auf jeden Fall“, sagte Ulrich Bittner, der Geschäftsführer vom Biergarten „Mückenwirt“ in Magdeburg. Unter normalen Umständen würde er die sechs bis acht Quadratmeter große Leinwand auf der Bühne einfach erweitern, in diesem Jahr überlegt der Gastronom, eine zweite aufzustellen - damit die Leute nicht zu eng aufeinander hocken. Das Ordnungsamt muss sein Vorhaben allerdings noch genehmigen.

Was erlaubt ist und was nicht, hängt am Ende vom Infektionsgeschehen ab. Public Viewing kann laut Gesundheitsministerium je nach örtlichen Gegebenheiten sowohl als Veranstaltung als auch im Rahmen des Gastronomiebetriebes eingeordnet werden. „Wenn nebenbei ein Fernseher läuft, hat das aus Sicht der Eindämmungsverordnung keine Relevanz“, sagte ein Sprecher des Ministeriums.

Für die Gastronomie gilt: Liegt die Sieben-Tage-Inzidenz stabil unter 35, kann die Nutzung der Außengastronomie auch ohne Testung erfolgen. Die Gästezahl pro Tisch richtet sich nach den Kontaktbeschränkungen. Formate in Form von offiziellen Veranstaltungen sind bei einer stabilen Inzidenz unter 35 mit 100 Personen in geschlossenen Räumen und mit 250 Personen im Freien erlaubt - sofern ein negativer Test vorliegt und die Kontaktnachverfolgung gewährleistet ist. Genesene und Geimpfte werden dabei nicht mitgezählt.