Auszeichnung mit dem Romanikpreis

Die Gastfreundschaft der Mönche auf der Huysburg

Die Huysburg ist ein Kloster mit Gottesdienst, Gebet, Stille. Von der Mönchsgemeinschaft wird benediktinische Gastfreundschaft gelebt. Unter ihnen: Bruder Jakobus Wilhelm. Der Mönch wird heute in Merseburg mit dem Romanikpreis geehrt.

Bruder Jakobus Wilhelm ist Geistlicher Leiter des Gäste- und Tagungshauses im Benediktinerkloster Huysburg.  Er führt Gruppen und gibt Seminare. Für sein Engagement wird er heute in Merseburg mit dem Romanikpreis in Gold geehrt.
Bruder Jakobus Wilhelm ist Geistlicher Leiter des Gäste- und Tagungshauses im Benediktinerkloster Huysburg. Er führt Gruppen und gibt Seminare. Für sein Engagement wird er heute in Merseburg mit dem Romanikpreis in Gold geehrt. Fotos (2): Frank Drechsler

Von Grit Warnat - Huysburg

Die Felder glänzen golden, die Landschaft ist anmutig. Über dem Harz hängen nur kleine Wölkchen, der Blick zum Brocken ist frei. Die Straße schlängelt sich in den Huy (unbedingt „Hü“ aussprechen). Eine Abbiegung, eine schmale Asphaltstraße. Die hohen Buchen bilden ein schattenspendendes Dach. Dann öffnet sich das Grün. Das Benediktinerkloster Huysburg liegt vor einem.

Vögel zwitschern beim Betreten des Geländes, auch der Wind verschafft sich Zutritt, lässt die riesige Blutbuche erzählen.

Bruder Jakobus Wilhelm öffnet die Klosterpforte. „Willkommen“, sagt er und lächelt.

Seit November 2005, als er von der Benediktinerabtei in Trier auf die Huysburg entsandt wurde, ist dort auf dem Höhenzug sein Zuhause. Der Romanik-Preisträger stammt aus Südhessen, 1967 geboren, ist in einer katholischen Familie aufgewachsen und hat sich schon in der kirchlichen Jugendarbeit für das Ordensleben interessiert. Ihn fasziniere seither diese Lebensform, sagt der ausgebildete Paramentensticker und promovierte Kunsthistoriker. 1992 legte er das Ordensgelübde ab und entschied sich damit, in dieser ganz intensiven Gottesbeziehung leben zu wollen.

Fünf Gebetszeiten bestimmen den Rhythmus

Die Lebensgemeinschaft besteht aus neun Mönchen. Gemeinsame Gottesdienste, das persönliche Gebet bestimmen wie schon vor tausend Jahren ihren täglichen Rhythmus. Fünf Gebetszeiten gibt es zwischen Morgen und Abend. Das Schweigen erfährt seit jeher große Wertschätzung. Wer hierher kommt, geht in die Stille.

Als er auf die Huysburg kam, so erinnert sich Bruder Jakobus, war noch vieles in Bau. Heute ist das Kloster ein wahres Kleinod mit Klosterkirche, Konvent, Café und Laden. Für das Ekkehard-Haus, ein Gäste- und Tagungshaus, zeichnet er zuständig. Er ist Geistlicher Leiter. 40 Zimmer, 60 Betten. Geführt wie ein Hotelbetrieb, nur mit anderer Ausrichtung. Das hauseigene Programm ist spirituell und lädt zu Einkehr. Besinnungstage, Choralkurse, Fasten, Pilgertreffen, Kurse für Rhythmus, Atem, Bewegung, Gespräche. „Wir wollen Anregungen für das Glaubensleben geben“, sagt Bruder Jakobus Wilhelm und hofft innig, dass jene, die wieder gehen, reicher geworden sind für die eigene Glaubens- und Lebensgestaltung. Vor allem sollen die Turbulenzen des Alltags, die hektische Welt, die uns umgibt, vor den Klostermauern bleiben. Dort locken Wanderwege durch den Huywald.

Wer sich im Ekkehard-Haus bettet, muss keineswegs einer kirchlichen Institution angehören. Auch Unternehmen mieten sich ein, Wandergruppen nächtigen. Man kann einzeln in Klausur gehen.

Die einstige Abgeschiedenheit muss Abt Ekkehard im 11. Jahrhundert inspiriert haben, an diesem Ort ein Kloster zu gründen. Spuren aus jener Zeit sind noch zu finden. Die Kirche ist geprägt von romanischen Bögen. Bestens erhalten ist der Romanische Saal, das einstige Refektorium, in dem später die Bibliothek eingerichtet war. Auch Gotik und Barock prägen das gut erhaltene Ensemble und erzählen von Entwicklungen über Jahrhunderte.

Ein Handy imOrdensgewand

Es gibt Stille im Benediktinerkloster, aber keinen Stillstand. Trotz Enthaltsamkeit leben die Mönche im 21. Jahrhundert. Nichts ist düster und geheimnisumwittert wie in der abgelegenen Benediktinerabtei aus Umberto Ecos „Der Name der Rose“. „Wir spielen hier nicht die Vergangenheit nach. Wir sind im Heute präsent“, sagt Bruder Jakobus Wilhelm. Er und die anderen Huysburg-Brüder wollen vermitteln, dass das, was damals wertvoll war, auch heute noch wertvoll ist. Benediktinische Gastfreundschaft gehört dazu.

Der Gemeinschaft geht es um eine sanfte Bespielung und das richtige Maß für Öffentlichkeit mit Konzerten, Hochzeiten, Feierlichkeiten. Es gibt moderne Tagungsräume. Die Gästezimmer haben WLAN. Einen Fernseher im Zimmer aber gibt es nicht.

„Auch wir sind Teil des Ganzen, Teil des Schnellerwerdens der Gesellschaft“, sagt Bruder Jakobus Wilhelm. In seinem Arbeitszimmer steht ein Computer, seit drei Jahren trägt er in seinem Ordensgewand ein Handy. Auch wenn es nicht überall Empfang gibt, ist das Klosterleben nicht abgeschottet wie vor Jahrhunderten. „Es geht uns darum, eine eigene Gangart zu finden“, sagt der Mönch.

Einige Besucher schauen sich im Innenhof um, fotografieren Kirche und blühende Blumenpracht, in der Insekten summen. Kurz vor 12 Uhr wird die Stille durchbrochen. Die Kirchenglocken läuten und rufen weit übers Land. Zeit fürs Gebet. Bruder Jakobus Wilhelm verabschiedet sich: „Ich bin sehr froh, so leben zu dürfen.“