Internet

Digitale Tour entlang der Kirchen an der Straße der Romanik

Gotteshäuser im Harz, Magdeburg, dem Jerichower Land und der Altmark lassen sich im Internet in 360-Grad-Ansichten besuchen.

Von Mike Fleske

Genthin

Die Gotteshäuser der Straße der Romanik sind auf den Internetseiten des Tourismusverbandes Sachsen-Anhalt als digitale Stationen abgelegt. Das Angebot sei eine Ergänzung zu den anderen Informationen rund um die Straße der Romanik, berichtet Andrea Meyer vom Tourismusverband. „Die Aufnahmen von den Bauwerken der Straße der Romanik wurden im Rahmen eines Förderprojektes umgesetzt.“ Das Besonderes daran: Die Fotos können als 360-Grad-Rundumansichten abgerufen werden. Die Südroute führt zumeist durch die Börde und den Harz. Interessant für unsere Region ist aber die Nordroute.

Diese führt von Magdeburg bis in die Altmark und streift dabei auch Burg, Altenplathow und Jerichow. Das Grundmenü mit den einzelnen Stationen auf der Route ist übersichtlich. Schnell findet man die Gotteshäuser und durch einen Klick springt man schon auf die Fotoansicht. So lässt sich vom heimischen Wohnzimmer aus etwa die Altenplathower Kirche besuchen.

Frühlingsbesuch in der Altenplathower Kirche

Die virtuellen Besucher haben einen frühlingshaften Tag erwischt und können sich auf dem Kirchvorplatz einmal um sich selbst drehen. Großer Vorteil ist dabei, dass sich die Drehungen ganz einfach mit leichten Mausbewegungen vollziehen lassen und es kaum Verzögerungen in der Bilddarstellung gibt. Diese Bewegungen können auch über eine ins Bild einblendende Menüleiste vollzogen werden, diese beinhaltet zudem eine Übersicht der zu besuchenden Kirchenräume. Spannend ist auch die Zoom-Funktion, mit der bestimmte Bildbereiche herangezogen und genauer betrachtet werden können.

In Altenplathow gibt es noch einen weiteren Vorteil: Besucher können die 1904 im Stil der Neogotik fertiggestellte Kirche auch betreten. Dabei führen Pfeile in einem blauen Kreis den Besucher in das Gebäude (oder auch wieder hinaus). Ein Blick in den Kirchenraum lohnt sich. Denn vor rund acht Jahren ist die Ausmalung des bekannten Berliner Kirchenmalers Carl Busch wiederhergestellt worden. So besticht etwa das kräftige Blau der Decke über dem Altar. Aber auch die Folgen des Beschusses des Gotteshauses im Zweiten Weltkrieg sind erhalten. So finden sich in einem Wandsegment noch Spuren der Einschläge.

Figurengrabstein kann digital betrachtet werden

Noch etwas lässt sich besuchen: die ehemalige Sakristei mit dem seltenen romanischen Figurengrabstein des 1170 gestorbenen Burgherrn Hermann von Plotho. Man könnte diesen fast als Urvater der Altenplathower und Genthiner bezeichnen. Die virtuellen Besucher können aber auch einen Blick auf die Replik des Grabsteins werfen, die der verstorbene Altenplathower Hobbybildhauer Claus Mielke im Jahr 2015 geschaffen hat. So erzählt das noch eher junge Gotteshaus auch beim digitalen Besuch Geschichten verschiedener Epochen.

Ebenfalls von innen und Außen lassen sich die Ober- und die Unterkirche der evangelischen Stadtkirche „Unser Lieben Frauen“ betrachten. Die im Jahr 1186 gebaute gotische Stadtkirche mit romanischen Bauteilen ist deutlich zu erkennen. Der Altar ist ein Werk von 1607 des Magdeburger Künstlers Michael Spieß. Er besitzt einen architektonischen Aufbau aus Sandstein mit Reliefs aus Alabaster, die das Passahmahl, das Abendmahl als Hauptbild und im Aufsatz die Kreuzigung darstellen. 

Sehr gut anzuschauen, sind auch  die Alabasterreliefs auf der Kanzel, die wohl von Künstlern aus dem Umfeld Spieß geschaffen wurden. Zu sehen sind die Verkündigung, die Geburt, die Auferstehung und das Jüngste Gericht. An der Treppe sind alttestamentarische Szenen abgebildet. Fast wie bei einem wirklichen Besuch kann man um die Kanzel herumgehen. Was sonst in ein paar Schritten passiert, geschieht virtuell mit zwei Mausklicks.

E-Gitarre und Schlagzeug in der Burger Unterkirche

In der Unterkirche lohnt sich ein Zoom auf die bunten Fenster oder den hölzerner Altaraufsatz aus dem Jahr 1699. Kleines Kuriosum: Die Aufnahmen im Kircheninneren müssen vor einem Bandauftritt etwa eines Jugendgottesdienstes gemacht worden sein, befinden sich dort doch Mikrofone, ein Schlagzeug und eine E-Gitarre. Wer möchte, kann auch in der Kirchenruine „Unser lieben Frauen“ in Loburg vorbeischauen oder in der Pfarr- oder Stiftskirche in Leitzkau.

Auch die Dorfkirche in Redekin, die Stadtkirche und das Kloster Jerichow sind Teil der virtuellen Tour. Hier lassen sich nur Außenansichten abrufen. „Die Akzeptanz von Innenaufnahmen war sehr unterschiedlich. Es gab Bedenken, dass Besucher fern bleiben, wenn man die Aufnahmen ins Internet stellt. Das betrifft auch die genannten Bauwerke an der Nordroute.“

Magdeburger Dom am Tag und bei Nacht

Dennoch lohnt sich auch ein Blick nach Jerichow. Und da es eine Tour ist, die sich mit ein paar Klicks fortsetzen lässt, kann auf kurzem Wege auch in Sandau, Schönhausen oder Havelberg vorbeigeschaut werden. Unbedingt zu empfehlen, ist auch ein Besuch im Magdeburger Dom. Hier gibt es im Innenbereich nicht nur die Auswahl zwischen Tag- und Nachtansichten. Man kann auch, ohne sich anstrengen zu müssen, den Turm des Doms besteigen und einen Blick auf und über die Stadt Magdeburg werfen.

Die virtuelle Tour ist kostenfrei im Internet abzurufen und kann mit der Computermaus oder der Tastatur gesteuert werden. Zu Beginn weist ein Hinweisbildschirm auf die Funktionen hin, diese erklären sich aber eigenständig. Hier lässt sich die Tour starten.