Ausstellung in Magdeburg zum Thema Wasser

Mit dem Wasserrad in den Landtag

Die in Bösdorf und Oebisfelde lebende Künstlerin Angelika Flaig hat sich für eine Ausstellung im Landtag von Sachsen-Anhalt mit dem „Mythos Wasser“ beschäftigt. Neben Unikat-Lithografien zeigt die gebürtige Schwarzwälderin auch Glaskunst und ihr Wasserrad.

Von Grit Warnat 27.04.2022, 20:27
Angelika Flaig hat zu ihrer Ausstellung im Landtag auch ihr Wasserrad mitgebracht.
Angelika Flaig hat zu ihrer Ausstellung im Landtag auch ihr Wasserrad mitgebracht. Foto: Uli Lücke

Magdeburg - Was verbindet man mit Wasser? Meeresrauschen, Wellen, Seen und Flussarme mit angrenzend schöner Natur. Wasser hat auch bei Angelika Flaig spirituelle Wirkung, aber sie assoziiert nicht unbedingt Idylle. Sie findet den Mythos Wasser vielmehr in Gräben, Brunnen, Brücken, unterirdischen Kanälen. „Ich bediene nicht die gängigen Klischees“, sagt sie. „Mich interessiert, was unter der Erde passiert.“

Blickt man auf ihre filigran gearbeiteten schwarz-weiß-grauen Bilderwelten, erkennt man schnell, dass zwar der große Bogen zum Wasser gespannt ist, man das Nass aber nur wenige Male entdecken kann. Flaig setzt vielmehr auf Architektur und Natur und verbindet beides mit Mythen.

Fotografien im druckgrafischen Werk

Mit dem Wasser als Lebenselement setzt sich die Wahl-Sachsen-Anhalterin schon seit vielen Jahren mit unterschiedlichen künstlerischen Mitteln auseinander. Ihre farbige Serie von Korallenbildern ist sogar vertont und der Ton über einen QR-Code zu hören. Wie auch mit ihren Installationen sucht sie nach neuen Dimensionen.

1950 im Schwarzwald geboren, studierte Flaig in Ludwigsburg und in Stuttgart an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste. Der Druckgrafik ist sie immer treu geblieben. „Mit Lithografien kann ich mich ausdrücken“, sagt sie und erzählt, wie sie 2010 im Staatsarchiv Ludwigsburg auf technische Zeichnungen zu Wasserbauten gestoßen war und diese Archivalien aus dem 19. Jahrhundert damals Eingang in ihr druckgrafisches Werk fanden. Sie hatte sie fotografiert (schon im Studium hat sie den Fotoapparat für sich entdeckt) und die Zeichnungen auf die Drucksteine übertragen.

Jetzt hat sie sich erneut der Fotografie bedient und sie gemeinsam mit Steindrucker Michael Wackwitz in ihre Kunst integriert. Die Fotos stammen von einem Magdeburger, es sind analoge Aufnahmen von wasserwirtschaftlichen Bauwerken. „Ich war von den Fotos sehr fasziniert“, schwärmt Flaig. Sie wählte Ausschnitte vom Schiffshebewerk in Rothensee, von der Hubbrücke und der Magdeburger Sternbrücke. Kombiniert und übereinandergedruckt ist all der Stahl mit steinernen Amphoren und Details von Figuren aus Magdeburger Parkanlagen. Gleich mehrfach taucht der einst auf dem Domplatz befindliche Feuerlöschteich auf.

80 Prozent der Arbeiten sind für diese Ausstellung neu entstanden. Neben den großformatigen Unikat-Lithografien ermöglicht Flaig auch Einblick in ihre Glaskunst. Und sie zeigt ihr Wasserrad. Die Stahlarbeit ist schon in den 1990er Jahren entstanden und zog mit ihr 2015 nach Sachsen-Anhalt um. Im Vierseitenhof des Sohnes ist viel Platz für ihre Kunst, auch für das Wasserrad. Jetzt musste es unbedingt mit nach Magdeburg, sagt sie. Es erzähle von Wasser und Maschinenbau. Neu sind die farbigen Glasscheiben aus Kathedralglas.

Unter einer Lithografie steht „Magdeburg mon amour“. Angelika Flaig lächelt. „Man kann durch die Stadt wandern. Meine Arbeiten sind eine Hommage an Magdeburg“, sagt sie und meint wohl auch das Haus, in dem sie ausstellt. Natürlich weiß sie um die Historie des Gebäudes. Vor der Nutzung als Landtag war dort am Domplatz die Ingenieurschule für Wasserwirtschaft beherbergt. In den Kellern, so heißt es im Ausstellungstext, waren Versuchslabore zur Wassertechnik installiert und in den oberen Etagen befanden sich einst Lehr- und Schulräume. Dort ist der Mythos Wasser verortet. Flaig lächelt wieder. Sie spricht mit Wärme in der Stimme von ihrer neuen Heimat Sachsen-Anhalt. Und als ob sie ihre Zukunft geahnt hätte: Ihre Glasbilder sind zufällig in gelb-schwarzen Landesfarben.