ORWO Net baut Marktposition in Deutschland weiter aus

An der Wiege des Farbfilms ist jetzt Fotogroßlabor erfolgreich

Vor 100 Jahren begann in Wolfen die Filmherstellung. Die Agfa Filmfabrik – später ORWO – nahm am 19. Juli 1910 die Produktion auf und stieg zu einem der größten Filmhersteller Europas auf. 1936 wurde dort der erste Farbfilm der Welt produziert. 2003 hat die ORWO Net GmbH das operative Geschäft der insolventen Vorgängerfirmen ORWO und PixelNet übernommen. 27 Millionen Euro wurden investiert. ORWO betreibt in Wolfen eines der führenden Fotogroßlabore Deutschlands.

Wolfen (dpa/ko). Nach jahrelangem Tüfteln stellte der Physiker und Chemiker John Eggert 1936 in der Kleinstadt Wolfen den weltweit ersten Colorfilm her. Er kam als "Farbfotografie für jedermann – ohne Filter und besondere Hilfsmittel" auf den Markt. Wenige Jahre später wurde der erste Farbfilm aus Wolfener Material in Deutschland aufgeführt: "Frauen sind doch die besseren Diplomaten" mit Maria Rökk und Willy Fritsch in den Hauptrollen. Weitere mit Material aus Wolfen folgten, etwa der berühmte Streifen "Münchhausen" mit Hans Albers.

In dieser Woche erinnern in Wolfen in Sachsen-Anhalt zahlreiche Veranstaltungen an den Start der Filmfabrik vor 100 Jahren. Im Filmmuseum gibt es eine Ausstellung zu den Pionierleistungen auf dem Gebiet der Fotochemie und der Herstellung von Magnetbändern. "Außerdem kann natürlich die sogenannte Begießmaschine bewundert werden, mit der 1936 der erste universell einsetzbare Mehrschichtfilm der Welt hergestellt wurde", sagte Museumssprecherin Andrea Mähl. Mit der Maschine seien noch bis 1990 Farbfilme produziert worden.

Die Wolfener Filmgeschichte hat Brüche: Nach dem Zweiten Weltkrieg warben die Amerikaner die Forscher ab, dann wurden 60 Prozent des Werks in die Sowjetunion gebracht. Schließlich ging es doch in Wolfen weiter. Das Unternehmen wurde sowjetisch-deutsche Aktiengesellschaft und sorgte mit einigen Weiterentwicklungen bei der Film-Empfindlichkeit für Aufsehen.

"1964 wurde der Betrieb dann in ORWO unbenannt, Original Wolfen", berichtete Mähl. Zu den ersten auf Orwocolor gedrehten DEFA-Filmen gehörte "Geliebte weiße Maus" mit Rolf Herricht. Bis zu 15 000 Menschen waren zu DDR-Zeiten bei ORWO beschäftigt.

Nach der Wende versuchten einige Investoren, das Werk fortzuführen, doch 1994 endete die Filmproduktion in Wolfen. Aber mit "Original Wolfen" ist nicht Schluss. Der Fotodienstleister ORWO Net setzt heute die Tradition fort. Die 2002 neu gegründete ORWO Net GmbH übernahm im Oktober 2003 das operative Geschäft der insolventen Vorgängerfirmen ORWO und PixelNet. Die Belegschaft wuchs von 32 auf 203 Mitarbeiter, hinzu kommen 32 Mitarbeiter in der Außenstelle Wiesbaden sowie im Tochterunternehmen in Dänemark.

27 Millionen Euro wurden seit der Neugründung investiert, und für die nächsten beiden Jahre sind Erweiterungsinvestitionen geplant, wie der Vorstandschef der ORWO Net AG Gerhard Köhler ankündigte. Das Unternehmen wolle die Stellung als dritte Kraft auf dem deutschen Markt für Fotodienstleistungen weiter ausbauen und in diesem Jahr beim Umsatz die Grenze von 30 Millionen Euro überschreiten. Die Marken "PixelNet", "ORWO direkt" und "Foto Quelle" würden weiter forciert.

2009 war trotz globaler Wirtschaftskrise für die ORWO Net AG das bisher erfolgreichste seit der Gründung. Im vergangenen Jahr wurde ein Umsatz von 27,7 Millionen Euro erzielt. Das war zum Vorjahr ein Zuwachs von 19,2 Prozent. In den Jahren von 2004 bis 2009 legte der Umsatz des Unternehmens pro Jahr im Schnitt um etwa 45 Prozent zu. Dazu hatten unter anderem das Skandinaviengeschäft, die Übernahme eines Foto-Labors in Wiesbaden und die Übernahme der Marken- und Domainrechte von "Foto Quelle" beigetragen.

"2009 wurden 300 Millionen Bilder produziert. Werden diese aneinandergereiht, ergibt das eine Papierschlange von 45 000 Kilometern", berichtet das Unternehmen. Hauptumsatztreiber sind die digitalen Bilderprodukte mit einem Anteil von 82,5 Prozent.