Landwirtschaft

Bauern frustriert über Dalberts Agrarpolitik in Sachsen-Anhalt

Bauern und Forstwirte in Sachsen-Anhalt stellen ihrer grünen Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert nach fünf Amtsjahren ein schlechtes Zeugnis aus. Einige sind enttäuscht, andere verbittert und wütend. Viele fordern einen Politikwechsel nach der Landtagswahl.

Von Johannes Vetter
Claudia Dalbert ist seit 2016 Landwirtschaftsministerin in Sachsen-Anhalt.
Claudia Dalbert ist seit 2016 Landwirtschaftsministerin in Sachsen-Anhalt. Foto: dpa

Magdeburg - Fünf Jahre nach der Übernahme des Agrarministeriums durch die Grünen ist der Frust bei vielen Bauern in Sachsen-Anhalt groß. Einige werfen Ministerin Claudia Dalbert eine ideologische Politik vor, andere sehen große Fehler in der Kommunikation mit den Landwirten.

„Es ist ein Desaster“, sagt Alfons Wolff, Landwirt aus Hohenthurm bei Halle und Bundessprecher des Verbands „Freie Bauern“. Dass Betrieben der Einstieg in den Ökolandbau mit Förderungen schmackhaft gemacht werde, hält er für den falschen Weg. „Das muss die Nachfrage entscheiden“, sagt Wolff.

Tatsächlich hat der Ökolandbau seit Amtsantritt von Dalbert kräftig zugelegt. Vor fünf Jahren haben Sachsen-Anhalts Bauern laut Ministerium auf etwa fünf Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche Ökolandbau betrieben, im vergangenen Jahr waren es schon über neun Prozent.

CDU will in Sachsen-Anhalt wieder den Landwirtschaftsminister stellen

Scharfe Kritik kommt auch vom Bauernbund. „Diese Politik hat uns nicht weitergebracht“, sagt Landesvorsitzender Martin Dippe. Der Landwirt aus Wulferstedt (Börde) befürchtet, dass der Wechsel zum Ökolandbau bei einigen Betriebe nicht von Dauer sein wird. Die Förderungen sieht er als „Strohfeuer“. Dippe, auch CDU-Mitglied, hofft auf einen Politik- und Personalwechsel nach der Wahl.

Zuletzt hatte die CDU-Landesspitze bekräftigt, in der nächsten Landesregierung den Landwirtschaftsminister stellen zu wollen. Allerdings beanspruchen die Grünen das Ressort ebenfalls.

Eine mögliche Trennung des Ministeriums, das neben Landwirtschaft auch für Umwelt und Energie zuständig ist, sehen viele Bauern kritisch. „Wir sind die Umweltschützer im ländlichen Raum“, sagt Olaf Feuerborn, Präsident des Landesbauernverbandes. Umwelt und Landwirtschaft zu bündeln, sei von Vorteil, wenn schnelle Abstimmungen nötig sind, etwa bei der Bekämpfung von Feldmäusen.

Präsident des Bauernverbandes will in den Landtag

Feuerborn tritt bei der Landtagswahl für die CDU an. Er plädiert für mehr Pragmatismus in der Agrarpolitik und eine bessere Kommunikation mit den Bauern. „Wir haben uns nicht verstanden gefühlt“, sagt er. Auch die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft berichtet, dass die Kommunikation mit dem Ministerium nicht immer einfach gewesen sei.

Ein kritisches Fazit zieht der Waldbesitzerverband. Der Landesvorsitzender, Franz Prinz zu Salm-Salm, bezeichnete die Forstpolitik der vergangenen fünf Jahre als „Katastrophe“. Künftig müsse mehr Geld für Wiederaufforstungen da sein.