Absatzboom

Corona heizt den Grill an

Grill-Boom in Corona-Zeiten. Ein Anbieter von Grillkursen in Magdeburg startet wieder voll durch. Ein Hersteller aus dem Saalekreis bietet Hightech im Premium-Segment.

Von Massimo Rogacki
Der Absatz von Grills ging im vergangenen Jahr nach oben. Viele satteln von Holzkohle- auf Gasgrills um.
Der Absatz von Grills ging im vergangenen Jahr nach oben. Viele satteln von Holzkohle- auf Gasgrills um. Foto: imago

Magdeburg - Die Sonne strahlt, aus Gärten und in der Nähe von Grillplätzen duftet es verlockend. Die Saison ist in vollem Gange. Nick Polzin, Inhaber der Grillakademie Magdeburg, freut sich darüber. „2020 und 2021 sind schwierige Jahre. Die Kurse sind nach Ende des Lockdowns Anfang Juni aber wieder gut angelaufen“, sagt Polzin.

Seit 2014 können Novizen wie auch Grillprofis in der Grillakademie an ihren Fähigkeiten feilen. Drei bis vier Kurse pro Woche bietet die 2014 gegründete Grillschule an. Geleitet werden die Kurse von Autodidakten, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben, sagt Polzin. Die Kurse dauern in der Regel rund vier Stunden, kosten ab 100 Euro. Zunächst geben die Grillprofis einen Einblick in die Technik des Grillens mit Gasgrill, gelehrt werden verschiedene Grillmethoden. Es geht zudem um Qualität des Fleischs und die richtigen Beilagen, die auf dem Rost landen.

Die Faszination am Grillen? „Es ist die Kombination aus Geselligkeit unter freiem Himmel und gutem Essen“, findet Polzin.

Branche berichtet über zweistelliges Wachstum

Das Marktforschungsunternehmen GfK verzeichnet in einer Studie zum deutschen Grillmarkt für das „Corona-Jahr“ 2020 ein deutliches zweistelliges Wachstum beim Absatz von Grillgeräten im Vergleich zu 2019.

Im vergangenen Jahr haben sich 5,6 Millionen Haushalte in Deutschland einen neuen Grill gekauft, davon mehr als 3,7 Millionen einen konventionellen Grill und fast 2,3 Millionen Haushalte einen Elektrogrill.

„Die Leute setzen vermehrt auf Gasgrills, Holzkohlegrills gehen zurück“, beobachtet auch Grillkurs-Anbieter Polzin. Dass 2020 aut GfK zum „umsatzstärksten Jahr“ für Grillgeräte werden konnte, liege auch an dieser Verschiebung des Markts von „eher günstigen Kohlegeräten hin zu höherpreisigen Gasgeräten“.

Michael Schunke von der Firma Wilhelm Technologies in Kabelsketal (Saalekreis) setzt bei seinen Produkten weiterhin auf die gute alte Holzkohle. Dafür steckt in den Geräten einiges an Hightech.

Premiumgeräte gehen nach „Höhle der Löwen“ gut

Der neueste Wilhelm-Grill Futuro wird wie das Vorgängermodell mit einer App gesteuert. Für die optimale Temperatur sorgen integrierte Sensoren. Wenn es zu heiß wird, senkt sich das Glutbett automatisch ab. Integrierte Ventilatoren verstärken den Kamineffekt, der Grill sei in zehn Minuten einsatzbereit, verspricht Schunke.

Material und integrierte Technik haben ihren Preis. Mit knapp 4900 Euro schlägt das Gerät zu Buche. Mit seiner Geschäftsidee war Schunke 2020 Kandidat in der TV-Gründer-Show „Höhle der Löwen“.

Bei den Juroren blitzten er und sein Partner ab. Aber der Fernsehauftritt pushte den Absatz der Premium-Grills. In Corona-Zeiten seien die Umsätze stabil geblieben „Ein Erfolg“, sagt Schunke. „Die Leute hatten kaum Möglichkeiten, rauszugehen, viele haben sich in dieser Zeit einen neuen Grill geleistet“, so sein Eindruck.

Dass er trotz des Trends zu Gasgrills weiter auf Holzkohle setzt, hat einen einfachen Grund: „Mit Gas erreicht man beim Angrillen keine 400 Grad und mehr.“ Diese Temperatur sei aber wichtig, um etwa bei einem Rindersteak die Oberfläche zu versiegeln und Röstaromen freizusetzen. „Manch einer sagt, er schmecke die Aromen gar nicht, ich finde, sie geben dem Fleisch die besondere Note.“

An dem perfekten Grill will Michael Schunke in jedem Fall weiter tüfteln. Abnehmer für sein Produkt dürfte es auch in Zukunft geben, die Begeisterung der Deutschen fürs Grillen ist ungebrochen. In einer Pospulse-Umfrage von 2019 gaben 97 Prozent der Befragten an, gern zu grillen. In einer Umfrage von Statista sagen zudem 72 Prozent, ohne Grillen sei der Sommer kein richtiger Sommer.