Gastronomie

Deshalb schließt das Café Tekiez in Halle ein halbes Jahr nach Eröffnung schon wieder

Das Café Tekiez in Halle schließt bereits ein halbes Jahr nach der Eröffnung. Die neue Geschäftsidee eines türkischen Frühstückscafés habe sich nicht etablieren konnte

Aktualisiert: 24.05.2022, 08:31
Das Cafe Tekiez im November letzten Jahres kurz nach der Eröffnung.
Das Cafe Tekiez im November letzten Jahres kurz nach der Eröffnung. Foto: Denny Kleindienst

Halle (Saale)/MZ - Es sind vier Worte auf grünem Grund, die sofort deutlich machen: Etwas Wesentliches ist passiert. Sie lauten „Abschied, Dank und Hoffnung“ und das Cafe Tekiez, welches aus dem einstigen Kiezdöner in der Ludwig-Wucherer-Straße hervorgegangen ist, hat sie jüngst über seine Instagram-Seite verbreitet.

In einer längeren Erklärung, die sich daran anschließt, heißt es, dass „das Gewerbe zu Ende Mai 2022 abgemeldet werden musste“. Das sei die Konsequenz einer Entwicklung, die in dem Instagram-Posting ebenfalls thematisiert wird. „Ein halbes Jahr nach der Neueröffnung des Tekiez müssen wir leider feststellen, dass der Laden İsmet und Rıfat Tekin und ihre Familien existenziell nicht absichern kann“, wird dabei erklärt. So seien in der vierte Welle der Corona-Pandemie die Gäste über Monate nahezu ferngeblieben.

Die neue Geschäftsidee eines türkischen Frühstückscafés habe sich dadurch nicht etablieren konnte. Und Kapital zur Überbrückung habe es nicht gegeben, „da alle Spenden in den Umbau geflossen sind“. Die aktuellen Einnahmen würden seit Monaten weder für die Lebensunterhaltssicherung der Betroffenen reichen, noch für die Miete des Ladens oder für Einkäufe, um mehr Kundschaft anzuwerben.

Weitere Ursache für die Ladenschließung sind laut den Betreibern: fehlende strukturelle Absicherung sowie staatliche Unterstützung. Weil dies fehlte, sei der kleinen Gruppe aus Überlebenden und solidarischen Unterstützern letztlich nicht gelungen, zum einen das neue Geschäftskonzept umzusetzen und noch dazu einen Gedenk- und Erinnerungsort zu erhalten.

Am 9. Oktober 2019 hatte ein rechtsextremer Attentäter im Kiezdöner auf der Lu-Wu Kevin S. erschossen. Seitdem rang der Laden mit dem Anschlag von Halle. Auch Ismet Tekin befand sich an diesem 9. Oktober 2019 im Schusswechsel des Attentäters mit der Polizei. Diese Schüsse waren vor Gericht aber nicht als versuchter Mord anerkannt worden. Nach dem Anschlag von Halle wurde der Kiezdöner in das türkische Frühstückscafe Tekiez umgewandelt.

Das wird am 30. Mai, am Montag kommende Woche, schließen. Weil aber „die Vision vom Tekiez“ nicht vollständig aufgegeben werden soll, wie es in der Erklärung heißt, werde an der Idee zur Erhaltung des Ladens als Ort des kontinuierlichen Erinnerns, der Vernetzung und der Solidarität gearbeitet.