Wirtschaft

Frostige Stimmung im Magdeburger Handwerk in der Corona-Krise

Von Martin Rieß

Magdeburg

Im Jahr 2019 sah die Welt für viele Handwerksbetriebe in der Region noch ganz anders aus. Das macht auch ein Blick auf die Zahlen der halbjährlichen Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Magdeburg deutlich.

Beispiel Magdeburg. 69 Prozent beurteilten im Herbst 2018 die Lage als gut – heute sind es nur noch 44 Prozent. Bei denen, die ein befriedigend vergaben, ist der Anteil hingegen von 27 auf 31 Prozent angestiegen. Vor allem aber ist der Anteil der Handwerksbetriebe, die die Lage als schlecht bezeichnen, in dieHöhe geschnellt: Im Herbst 2018 waren es noch vier Prozent – jetzt sind es 25.

Große Spanne im Kammerbezirk Magdeburg

Eine ähnliche Entwicklung ist in der gesamten Region zu beobachten, wenngleich sich in Magdeburg und den einzelnen Landkreisen teils deutliche Unterschiede zeigen. So halten zwei Drittel der Betriebe die Lage für gut oder befriedigend. Ausdrücklich gut nannten aber im Salzlandkreis nur 23 Prozent der Betriebe die Lage, während dies im Landkreis Börde bei 52 Prozent der Fall war. Dort gab es mit 19 Prozent auch die wenigsten Handwerker, die von einer schlechten Lage sprachen, während es im Jerichower Land 36 Prozent sind.

Seitens der Handwerkskammer Magdeburg heißt es in einer Mitteilung zu den Zahlen: „Die Konjunkturlage im Handwerk im Kammerbezirk Magdeburg ist weiterhin gezeichnet von den Auswirkungen der Corona-Krise, die sich im ersten Quartal unterschiedlich stark in den einzelnen Handwerksgruppen gezeigt haben.“

Krise bestimmter Gewerke

Besonders im Handwerk für den persönlichen Bedarf, bei dem die Geschäfte im ersten Quartal hauptsächlich geschlossen waren, wird die Geschäftslage sehr schlecht beurteilt. In den Bauhandwerken konnte zumeist gearbeitet werden – die aktuelle Lage wird vielfach mit gut bewertet. Hier sind es die sehr zurückhaltenden Erwartungen, die vermuten lassen, dass die Unternehmer mit viel Unsicherheit in die Zukunft blicken. Zu den coronabedingten Unsicherheiten kämen Lieferengpässe und „sehr dynamische Preissteigerungen für Materialien und Rohstoffe“, wie es die Kammer formuliert. Sprich: Die Handwerker befürchten deutliche Kostensteigerungen.

Im Kfz-Handwerk berichtet derzeit nur noch knapp ein Viertel von einer guten Lage und die Hälfte von einer schlechten – auch hier mussten die Verkaufsräume vorübergehend geschlossen werden, während das Werkstattgeschäft weitergeführt werden durfte. Hinzu kommen eine geringere Mobilität und Fahrzeugnutzung und die Kaufzurückhaltung der Kunden.

Reserven fehlen jetzt

„Die Lage unserer Betriebe ist stark gezeichnet von einem Jahr Corona-Politik. Viele Inhaber mussten während der Schließungen auf Liquiditätsreserven zurückgreifen, die nun fehlen. Damit ein neuer Aufschwung gelingen kann, müssen die Unternehmen entlastet und von unnötiger Bürokratie befreit werden“, fordert Hagen Mauer, Präsident der Handwerkskammer Magdeburg. Mit den erneuten Schließungen würden einige Unternehmen mit Ladengeschäften ihre Türen grundsätzlich nicht mehr öffnen. „Viele kleine Geschäfte können nicht länger durchhalten“, so Hagen Mauer. Um die Unternehmen aus der Krise zu holen und der Konjunktur neuen Schwung zu verleihen, bedürfe es gezielter Nachfrage- und Investitionsimpulse. Und das bedeutet aus seiner Sicht auch, dass die öffentliche Hand verstärkt investieren muss.

„Das Gegenteil scheint zu passieren: Unsere Betriebe fühlen sich zunehmend belastet von der Corona-Bürokratie, die durch geänderte Voraussetzungen bei Antragstellungen, Dokumentationspflichten und Einschränkungen der beruflichen Tätigkeiten entstehen. Die Maßnahmen verlieren zunehmend an Akzeptanz und sorgen für Unmut“, sagt Mauer.

Erwartungen in der Region

Hinzu kommen die alten Herausforderungen: Wie auch schon vor Corona ist der Bedarf der Unternehmen an Fachkräften - nicht nur im Bau - weiterhin hoch und wird mit dem Anlaufen der Konjunktur wieder anziehen.

Auch in den Erwartungen gibt es übrigens regionale Unterschiede. Von einer Verbesserung ihrer Situation gehen im Jerichower Land zehn Prozent der Handwerksbetriebe aus, im Landkreis Börde sind es 15 Prozent und in Magdeburg 22 Prozent. „Die weiterhin eher verhaltenen Erwartungen für das sonst arbeitsreiche Sommerquartal bestätigen die Verunsicherung der Betriebe“, heißt es in einer Mitteilung aus der Handwerkskammer Magdeburg zur Einschätzung dieser Prognose.