Wirtschaft

Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer: Stimmung in Sachsen-Anhalt hellt sich auf

Die Wirtschaft im Norden Sachsen-Anhalts ist laut einer aktuellen IHK-Umfrage auf dem Weg zurück zur Normalität. Die Furcht vor neuerlichen Einschränkungen trübt allerdings die Erwartungen.

Von Massimo Rogacki
Die Stimmung in Sachsen-Anhalts Wirtschaft hellt sich auf. Einige Branchen blicken jedoch mit Skepsis in die Zukunft. Die Furcht vor einem neuerlichen Lockdown hält etwa die Gastronomen in Atem. Die Branche hat in der Pandemie zudem Arbeitskräfte verloren. Auf dem Bild ein Blick in die Breite Straße in Wernigerode.
Die Stimmung in Sachsen-Anhalts Wirtschaft hellt sich auf. Einige Branchen blicken jedoch mit Skepsis in die Zukunft. Die Furcht vor einem neuerlichen Lockdown hält etwa die Gastronomen in Atem. Die Branche hat in der Pandemie zudem Arbeitskräfte verloren. Auf dem Bild ein Blick in die Breite Straße in Wernigerode. Foto: imago images

Magdeburg - Die Wirtschaft zwischen Altmark und Harz nimmt wieder Fahrt auf. Darauf deuten die Ergebnisse der jüngsten Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Magdeburg hin.

Aktuell erreicht der Geschäftsklimaindex 106,4 von maximal 200 möglichen Punkten. Er nähert sich damit den Werten vor Beginn der Krise 2019. IHK-Präsident Klaus Olbricht sieht Sachsen-Anhalt nach dem pandemiebedingten Tief zurück auf dem Weg zur Normalität. Dennoch warnt er, man müsse aus der Entwicklung 2020 lernen: „Damals schien sich die Lage im Sommer zu beruhigen und es schien überstanden. Das dies nicht der Fall war, wissen wir alle nur zu gut.“

Neue Regierung muss Sachsen-Anhalt „krisenfest“ machen

IHK-Hauptgeschäftsführer Wolfgang März warnt vor einem neuerlichen Lockdown. Von der kommenden Regierung erwarte er, Sachsen-Anhalt „krisenfester“ aufzustellen. Eine vierte Welle würde alle bisherigen Leistungen der Wirtschaft auf einen Schlag egalisieren, so März.

Gegenwärtig geben 42 Prozent der Unternehmer im Land an, mit der Geschäftslage zufrieden zu sein, lediglich 18 Prozent äußern sich negativ. Die Erwartungen der Wirtschaft im Kammerbezirk sind – mit Ausnahme der Dienstleistungen – allerdings eher pessimistisch. Die Lage im Einzelnen:

Industrie: Die Produzenten von Konsum– und Investitionsgütern verzeichnen ein Plus an Inlandsaufträgen. Verhalten positiv bewerten die Unternehmen die Umsatzerwartungen für die zweite Jahreshälfte. Zwei Drittel rechnen mit einem anhaltenden Positiv-Trend. Verhalten zeigen sich die Firmen beim Thema Export. Sie erwarten, dass es bei der rückläufigen Entwicklung bleibt.

Baugewerbe: Ein solides konjunkturelles Bild präsentiert die Baubranche in Sachsen-Anhalt. Jedes zweite Unternehmen bewertet die Lage als gut – trotz sinkender Auftragseingänge. Auch die Auftragslaufzeiten haben sich gegenüber dem vorherigen Quartal wieder verlängert. Die Erwartungen sind eher pessimistisch: Die Rohstoffknappheit, steigende Preise und der sich fortsetzende Fachkräftemangel machen den Firmen zu schaffen.

Handel: Die Lockerungen nach dem Lockdown bescheren der Branche zur Jahresmitte einen spürbaren Aufschwung. Zurückzuführen ist der auf gestiegene Umsätze und die steigende Konsumneigung im Einzelhandel. 44 Prozent der Händler bewerten die aktuelle Situation als gut. Für die zweite Jahreshälfte erwarten drei Viertel eine Fortsetzung des Trends.

Mitarbeiter haben sich neu orientiert

Gastgewerbe: Die Stimmung bleibt gedrückt, eine deutliche Aufhellung zur Hauptsaison ist nicht eingetreten. Problem: Der Fachkräftemangel prägt massiv das Tagesgeschäft. Viele Mitarbeiter hätten sich in den vergangenen Monaten „branchenfremd“ auf dem Arbeitsmarkt orientiert und fehlten nun, sagt IHK-Präsident Olbricht. Folge: Öffnungszeiten müssen verkürzt werden, Läden bleiben geschlossen. Das drückt die Umsätze deutlich. Perspektivisch erwartet jedes zweite Unternehmen eine Verschlechterung der Geschäfte. Es grassiert die Befürchtung vor einem neuerlichen Lockdown.

Verkehrsgewerbe: Die Stimmung hat sich im zweiten Quartal nicht wesentlich verbessert. Knapp die Hälfte der Unternehmen kennzeichnet die Geschäftslage als „befriedigend“. 32 Prozent berichten von gestiegenem Umsatz. 26 Prozent erleben eine gegenteilige Entwicklung. Die Geschäftserwartungen sind weniger optimistisch. Problem: die steigenden Preise für Kraftstoff und der Fachkräftemangel.

Dienstleister: Unternehmens- wie personennahe Dienstleister erreichen in ihrer Bewertung der Geschäftslage das Vorkrisenniveau. Beinahe die Hälfte zeigt sich zufrieden. Für das Folgequartal erwarten 28 Prozent der Unternehmen deutliche Umsatzsteigerungen.

Die IHK Magdeburg vertritt rund 50.000 Unternehmen im Norden Sachsen-Anhalts.