Tarifkonflikt

Proteste vor Schlachterei Tönnies in Weißenfels

Der Tarifkonflikt in der Fleischwirtschaft spitzt sich auch in Sachsen-Anhalt immer mehr zu. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hat die Verhandlungen abgebrochen. Vor der Schlachterei Tönnies in Weißenfels haben nach Gewerkschaftsangaben etwa 50 Menschen für höhere Löhne protestiert.

Von Johannes Vetter
Rund 50 Menschen sind laut Gewerkschaft am Freitag zur Kundgebung vor der Schlachterei Tönnies in Weißenfels gekommen. Foto: dpa

Weißenfels. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hat die Verhandlungen für die Beschäftigten der Fleischwirtschaft vorerst abgebrochen. Das teilte die Gewerkschaft am Freitag (23. April 2021) mit. „Die Verhandlungen sind vorbei, aber die Beschäftigten noch wütender als vorher“, erklärte NGG-Vize Freddy Adjan.

Nach Angaben der Gewerkschaft haben die Arbeitgeber einen Einstiegslohn von 10,75 Euro pro Stunde und einen 45 Monate laufenden Tarifvertrag angeboten.

Die NGG fordert einen Mindestlohn von 12,50 Euro pro Stunde, nach kurzer Einarbeitungszeit soll dieser dann auf 14 Euro steigen. Für Facharbeiter soll es laut Gewerkschaft mindestens 17 Euro pro Stunde geben.

Beschäftigte aus Polen, Rumänien und Bulgarien bei Tönnies in Weißenfels

„Lächerlich“ sei das Angebot der Arbeitgeber, sagte Olaf Klenke, der Landesbezirkssekretär der NGG Ost, auf Nachfrage der Volksstimme. Mit weiteren Gewerkschaftern war er am Freitag vor die Schlachterei Tönnies in Weißenfels zur Kundgebung gekommen. Etwa 50 Menschen hätten teilgenommen, sagte Klenke.

Außerdem hätten sie etwa 100 Beschäftigte von Tönnies in Gesprächen vor der Schlachterei über den Tarifkonflikt informiert. Weil viele Beschäftigte aus Rumänien, Polen und Bulgarien stammten, sei die Kommunikation eine Herausforderung, berichtete Klenke.

Nach Angaben der Gewerkschaft arbeitet ein Großteil der mehr als 2000 Beschäftigten in Weißenfels zum gesetzlichen Mindestlohn von 9,50 Euro pro Stunde. Tönnies teilte dazu auf Nachfrage mit, dass man sich weiter für einen Branchentarifvertrag mit höherem Einstiegsgehalt für einfache Hilfstätigkeiten einsetze.

Betroffen davon wäre aber nur „ein kleiner Teil“ der Belegschaft. „Der überwiegende Teil liegt je nach Ausbildung und Tätigkeit schon heute darüber“, betonte ein Sprecher des Unternehmens.

Die Gewerkschaft kündigte weitere Aktionen und Streiks an.