Unternehmen will 35 Millionen Euro für Teil der Ortsumfahrung Wittenberg aufbringen / Land nimmt Angebot an

Stickstoffwerke wollen Bundesstraße selbst bezahlen

Von Torsten Scheer 19.04.2013, 01:15

Wittenberg l Das gab es noch nie. Die Stickstoffwerke Piesteritz (Landkreis Wittenberg) wollen einen Teil einer Bundesstraße aus eigener Tasche bezahlen. Es geht um die geplante Nordumfahrung der Lutherstadt Wittenberg. Kostenpunkt: etwa 35 Millionen Euro.

Hintergrund für die ungewöhnliche Offerte ist der in den vergangenen Jahren enorm gewachsene Fahrzeugverkehr, der die an den Industrieanlagen vorbeiführende B187 (Dessauer Straße) verstopft. Zudem wünschen sich die Stickstoffwerke eine schnelle Anbindung an die Autobahn A9. Wie es heißt, haben sich die Firmenchefs aus "zwölf Jahren Kreisverkehr und Verzweiflung" zu ihrem aufsehenerregenden Angebot entschlossen.

Das Unternehmen ist der größte Ammoniak- und Harnstoffproduzent Deutschlands und hat mehr als 800 Mitarbeiter. Das Werk betreibt vor Ort auch einen Agro-Chemie-Park, in dem sich mehr als 30 Firmen mit insgesamt rund 1500 Mitarbeitern angesiedelt haben. Seit dem Jahr 2000 hat sich nach Firmenangaben der Lkw-Verkehr in dem Bereich von jährlich rund 29000 Fahrzeugen auf nunmehr fast 44000 erhöht. In den kommenden zwölf Jahren soll der Verkehr um jährlich 25 Prozent wachsen. Die Ortsumgehung sollte zum Reformationsjubiläum 2017 fertiggestellt sein.

Sachsen-Anhalts Verkehrsminister Thomas Webel (CDU) wollte zunächst nicht glauben, dass ein Unternehmen die Kosten für einen zwölf Kilometer langen Straßenabschnitt übernehmen will. Gestern machte er sich selbst ein Bild von der Lage.

"Wir nehmen das Angebot des Unternehmens gern an", sagte Webel der Volksstimme nach Gesprächen mit der Unternehmensführung. "Damit haben wir eine Finanzierungsgrundlage." Nun müssten Gespräche auf Arbeitsebene geführt werden, "wie wir so schnell wie möglich Baurecht kriegen". Unter anderem müsse noch der Bund mit bis zu sechs Millionen Euro für den Bereich Wittenberg ins Boot.