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Weniger Arbeit, gleiches Gehalt - "Vier-Tage-Woche" auch in Sachsen-Anhalt möglich?

Weniger arbeiten und das bei gleichem Gehalt: Der Traum eines jeden Arbeitnehmers. Ein groß angelegtes Experiment in Island deutet an, dass das funktionieren könnte. Was sagen Firmen in Sachsen-Anhalt dazu? Die Volksstimme fragt nach.

Von Nico Esche
Reikjavik, die Hauptstadt des kleinen Inselstaats Island.
Reikjavik, die Hauptstadt des kleinen Inselstaats Island. Foto: picture alliance | Theresa Münch

Magdeburg/Reikjavik - Weniger Arbeit, mehr Zeit für sich und die Familie - und dabei keinen Cent weniger verdienen. In Island wurde ein Feldversuch gestartet. Die sogenannte "Vier-Tage-Woche", bezogen auf die Arbeitswoche, wurde bei 400 Teilnehmern eingeführt. Die Ergebnisse sind eindeutig.

2017 startete das Experiment in Island. Mehr als 400 Personen nahmen daran teil - auf insgesamt 200.000 Einwohner Islands, eine erhebliche Zahl. Wie unter anderem der "Spiegel" berichtet, reduzierten so manche Teilnehmer ihre Arbeitszeit von 40 auf 36 oder 35 Stunden pro Woche, bei gleichem Gehalt. 

Damit es nicht zu Einbußen der Produktivität kommt, wurden Meetings schneller abgehalten, Aufgaben gezielt gesucht und im Zweifel ersatzlos gestrichen.

Das Ergebnis: die erbrachte Leistung und Produktivität blieben gleich oder konnten gar gesteigert werden. Die Teilnehmer berichten, dass sie weniger gestresst, seltener Burn-out-gefährdet seien und eine verbesserte Work-Life-Balance hätten, also ein ausgewogeneres Verhältnis zwischen Job und Privatleben. 

Modell in Unternehmen in Sachsen-Anhalt möglich?

Wäre diese Vier-Tage-Woche auch in Sachsen-Anhalt möglich? Die Volksstimme fragte bei den größten Unternehmen der Region nach.

Mit rund 1900 Beschäftigten, ist das Kaliwerk in Zielitz eine der größten Arbeitgeber im nördlichen Sachsen-Anhalt. Die Muttergesellschaft "K+S" sieht auf Nachfrage eine Vier-Tage-Woche als "schlichtweg nicht umsetzbar". 

Die Anlagen würde Tag und Nacht arbeiten, heißt es weiter, die Arbeiter unter- und übertägig: "Dieser Umstand entzieht einer möglichen Diskussion einer Vier-Tage-Woche bereits im Vorfeld jede Grundlage, da ein Kaliwerk rein technisch nicht für einzelne Tage abgefahren und anschließend wieder angefahren werden kann."

Ähnliches Bild zeigt sich bei Paketzusteller "Hermes", ebenfalls einer der "Big Player" in der Region - wie das Versandzentrum in der Nähe von Haldensleben mit seinen 540.000 Quadratmetern Fläche beweist.

Dort heißt es kurz und bündig, dass ein "Vier-Tage-Modell" derzeit kein diskutiertes Thema sei.

Bei einem der größten Unternehmen in Sachsen-Anhalt, der Deutschen Bahn (4700 Beschäftigte nur in Sachsen-Anhalt), wird derweil ein ganz anderes Arbeitsmodell gefahren. Für Tarif-Mitarbeiter des Unternehmens, gibt es den sogenannten "Jahresarbeitszeitsoll". Dabei bestimmen die Beschäftigten selbst, ob sie in der Woche 37 oder 39 Stunden arbeiten möchten. Wer mehr leisten möchte, erhält mehr Geld oder zusätzliche Urlaubstage.

Das Wahlmodell werde laut Bahn von den Beschäftigten sehr geschätzt. Ob, wie angefragt, bei der Deutschen Bahn über ein Vier-Tage-Modell zumindest gesprochen werde, ließ das Unternehmen gänzlich offen.

Kein Einzelfall

Dass über neue Arbeitszeitsmodelle für Arbeitnehmer diskutiert wird, ist kein modernes Phänomen. Auch die Idee des "bedingungslosen Grundeinkommens", bei dem jeder Mensch einen bestimmten Betrag monatlich aufs Konto überwiesen werden soll, schwebt regelmäßig durch die Medienlandschaft.

Wie ernst zu nehmend diese Modelle sind, zu der auch die Vier-Tage-Woche gezählt werden darf, bleibt unklar.