Lanxess-Konzern baut neues Filterwerk in Bitterfeld / Universität und Fraunhofer-Institute mit im Boot

Wirtschaft und Wissenschaft entwickeln Spezialmembranen

Von Torsten Scheer

Das Fraunhofer-Institut in Magdeburg arbeitet mit dem Spezialchemiekonzern Lanxess Hand in Hand bei der Entwicklung und Herstellung einer speziellen Membran zusammen, mit deren Hilfe Wasser aufbereitet und gereinigt werden kann. Produziert werden sollen die Filter in einem neuen, 30 Millionen Euro teuren Chemiewerk in Bitterfeld, wo langfristig 200 neue Arbeitsplätze entstehen sollen.

Magdeburg. Sachsen-Anhalt hat sich einmal mehr im internationalen Standortwettbewerb um hochwertige Arbeitsplätze und innovative Technologien durchgesetzt. Der Spezialchemie-Hersteller Lanxess, dessen Wurzeln im Bayer-Konzern liegen, baut in Bitterfeld ein komplett neues Werk für Spezialmembranen. Deren spezielle chemische Zusamensetzung und Aufbau erlauben es, Stoffe wie Nitrate, Pestizide, Viren oder Bakterien aus verunreinigtem Wasser herauszufiltern und wieder aufzubereiten.

Lanxess ist in Bitterfeld kein Unbekannter, stellt im dortigen Chemiepark bereits ebenfalls für die Wasseraufbereitung eingesetzte sogenannte Ionenaustauscherharze her. Zur breiten Anwendungspalette der kleinen Hightech-Harzperlen gehören unter anderem die Entkalkung oder Entsalzung von Wasser etwa in Geschirrspülmaschinen oder der Einsatz in Wasserfiltern zur Entkarbonisierung und Entfernung von Schwermetallen aus Trinkwasser.

Mit der Schwestertechnologie, der Membran-Filtrationstechnologie, steigt Lanxess (Jahresumsatz: fünf Milliarden Euro) in ein neues Geschäftsfeld zur Wasseraufbereitung ein, erklärte gestern Lanxess-Produktions- und Technikchef Michael Spies in Magdeburg.

Das Unternehmen sowie mehrere wissenschaftliche Kooperationspartner von Rang und Namen erhielten gestern von Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU) drei Fördermittelbescheide über insgesamt 1,93 Millionen Euro für verschiedene Forschungs- und Entwicklungsprojekte im Zusammenhang mit der neuen Membrantechnologie.

Für Bitterfeld, das Bewerberstädte aus Spanien und Indien hinter sich gelassen hatte, sprachen Spies zufolge neben dem schon vorhandenen Ionenaustauscher-Werk die wirtschaftliche und finanzielle Unterstützung durch das Land sowie eine intakte Forschungslandschaft aus Universitäten, Hochschulen und Instituten, mit denen Lanxess eng kooperieren könne.

Im Fall der Membranentwicklung gehören dazu konkret die Fraunhofer-Institute in Magdeburg und Halle, die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und das Leibnitz-Institut für Polymerforschung Dresden. Im Mittelpunkt stehen die rechnergestützte Optimierung des Herstellungsprozesses der Membranen sowie die Entwicklung neuartiger chemischer und biochemischer Verfahren zur Oberflächenbehandlung.

Dem Magdeburger Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung IFF kommt unter anderem die Aufgabe zu, diesen Prozess unter Automatisierungs-, Simulations- und Prozessentwicklungsaspekten zu begleiten.

Institutsleiter Michael Schenk wertete die Zahl der an dem Projekt beteiligten Institute als Beweis dafür, dass diese ernstzunehmende Forschungspartner für internationale Konzerne seien: "Der Wissenschaftsstandort Sachsen-Anhalt zieht Unternehmen an."

"Mit der Förderung investieren wir in eine absolute Zukunftstechnologie, die mittel- und langfristig auch gute berufliche Perspektiven im Land eröffnet", sagte Wirtschaftsminister Haseloff. Er verwies insbesondere auf die Tatsache, dass Lanxess in dem neuen Werk in Bitterfeld auch die Forschung und Entwicklung konzentrieren wolle. Damit trage der Konzern dazu bei, hochwertige Arbeitsplätze zu schaffen und die Wertschöpfung im Land zu erhöhen.

Die neue Anlage soll bisherigen Planungen zufolge Ende dieses Jahres für eine Pilotierungs- und Entwicklungsphase angefahren werden, die ersten Produkte im nächsten Jahr auf den Markt kommen.

Auch im Norden von Sachsen-Anhalt hat ein Unternehmen die Wasseraufbereitung zu seinem großen Thema gemacht. Die Carbonit Filtertechnik GmbH aus Salzwedel stellt ebenfalls hochwertige Filterelemente zur Aufbereitung von Trinkwasser her, die in Regionen rund um den Globus zum Einsatz kommen. Dabei geht es um international patentierte, vollständig abbaubare Aktivkohle-Blockfilter aus nachwachsenden Rohstoffen.

Nutzbares Wasser wird weltweit zu einer knappen und immer kostbareren Ressource. Der globale Markt für Wasseraufbereitung wird auf ein Volumen von mehr als 300 Milliarden Euro geschätzt.