Internationaler Tag des Bieres

Zehn Biere aus Sachsen-Anhalt im Test

Die Volksstimme hat Bier-Experte Alexander Kusserow zehn Biere aus Sachsen-Anhalt zum Probieren gegeben. Schmeckt er, um welche Biere es sich handelt? Sein Urteil?

Von Massimo Rogacki
Mehr als 30 Brauereien gibt es in Sachsen-Anhalt: Alexander Kusserow, Inhaber eines Fachgeschäfts für Biere in Magdeburg, beim Test.
Mehr als 30 Brauereien gibt es in Sachsen-Anhalt: Alexander Kusserow, Inhaber eines Fachgeschäfts für Biere in Magdeburg, beim Test. Foto: Uli Lücke

Magdeburg - Eigentlich wollte Alexander Kusserow sein Diplom als Biersommelier schon längst in der Tasche haben. Für November vergangenen Jahres hatte der Magdeburger den zweiwöchigen Lehrgang an einer Bierakademie in Bayern gebucht. Dann kam Corona. Der zweite Termin im April fiel pandemiebedingt wieder aus. Jetzt ist er für November angemeldet. „Ich hoffe, dass es endlich klappt“, sagt der 40-Jährige. In Magdeburg führt Kusserow seit 2012 ein Fachgeschäft für Biere und Spirituosen und bietet Verkostungen an.

Vom Limonaden-Fan zum Bierkenner

Dass ihn das Thema Bier einmal derart faszinieren würde, war nicht ausgemachte Sache. „Bier getrunken habe ich eher selten. Ich war lange Zeit eher Limo-Fan“, sagt der Magdeburger. Ändern sollte sich das, als er vor rund zehn Jahren das Pale Ale einer Craftbier-Schmiede aus München kostet. „Ein wahnsinnig fruchtiger Hopfen, das hat mich mitgerissen.“ Erkenntnis: Jeder kann Bier mögen, man muss nur das richtige finden, sagt Kusserow. Insbesondere mit dem Craftbier-Trend sei das Angebot zuletzt vielschichtiger geworden.

In seinem Laden setzt Kusserow mit Vorliebe auf die handwerklich gebrauten Biere kleinerer Brauereien. Die sind deutschlandweit auf dem Vormarsch. Auch in Sachsen-Anhalt ist der Trend spürbar. In den 90er Jahren waren nur ein Dutzend Brauereibetriebe übrig. Inzwischen sind es wieder mehr als 30 Brauereien, Braugaststätten und Kleinbrauer. Viele tüfteln an immer neuen Sorten jenseits der Standardbiere. Den Aufschwung der kleinen macht Kusserow auch am bestehenden Trend zu regionalen Produkten fest.

Diplom-Sommelier

Nebenher wachse auch die Szene der Hobby-Brauer im Land, beobachtet der Bierexperte. Brauzutaten und -zubehör sind in praktischen Sets erhältlich. Fakt am Rande: Als Hobbybrauer in Deutschland darf man immerhin bis zu 200 Liter steuerfrei produzieren. Viele der Abnehmer der Biere im Getränkefeinkost-Geschäft von Alexander Kusserow kommen aus der Gastronomie. Für den Sommelierkurs erhofft er sich, nun noch mehr über das Thema „Food Pairing“ zu lernen. Welche Lebensmittel passen zusammen, welches Bier mundet zu welcher Speise? Kusserows Tipp schon jetzt: „Unbedingt mal Bitterschokolade zu einem kräftigen Schwarzbier mit mehr als zehn Prozent Alkohol probieren. Sensationell“, lautet sein Urteil.

Neben dem Wissen um die besten Begleitgetränke zum Essen geht es in der Ausbildung um Präsentation und Verkostung. Themen sind Bierstile, Schanktechnik, Rohstoffkunde. Geschützt ist der Begriff Biersommelier nicht. Schon jetzt veranstaltet Kusserow Verkostungen. Die Bier-Tastings möchte er bald ausweiten. Und beim Sortiment seines Geschäfts noch stärker als zuvor auf deutsche Biere abzielen. Internationale Spitzenbiere werden weiterhin im Regal stehen. Und – wichtig – die Augen natürlich weiter nach Geheimtipps und neuen Brauereien offenhalten.

Das Pils ist eigentlich ein Helles

Und dann der Test: Donnerstag, 9 Uhr. Zu einer Uhrzeit, zu der ein Großteil der Menschheit eher nicht an Bier denken mag, hat die Volksstimme den Bierexperten zur Verkostung bestellt. Zehn regionale Flaschenbiere hat die Redaktion zufällig ausgewählt. Von größeren Anbietern und aus kleinen Brauereien. Welche Biere der Experte gereicht bekommt, weiß er nicht.

Zunächst schaue er sich die Farbe an. Ab und an mal schwenken, dann komme der Geschmack zur Geltung. Zwischendurch zum Neutralisieren etwas Brot. Die Biere bewertet der Experte mit Kronkorken von 0 bis 5. Höchstwertung: 5. Drei Biere ordnet er in diese Kategorie ein. Favorit: Das Sommerbier einer kleineren Brauerei aus der Börde. Ein industriell gebrautes Bier landet knapp hinter dem Sieger. „Ein Beweis dafür, dass industriell hergestellte Biere sehr überzeugend sein können“, sagt Kusserow. Insgesamt schneiden die Biere im Test gut ab. Weniger als drei Sterne gibt es nicht. Biere aus Sachsen-Anhalt munden offensichtlich.

Bei zwei Bieren würde Kusserow aufgrund von abweichenden Stilen nachträglich je einen Kronkorken abziehen. Sudenburger Helles schmeckte am Gaumen des Experten wie ein Pils. Und auch das Hasseröder sei für ein Export eigentlich zu bitter.

Bei der Hopfenrakete aus Magdeburg hält der Experte an drei Korken fest. Aber: „Tropische Früchte schmecke ich hier nicht, hatte nichts von einem IPA“, so Kusserow. Das eigene Hausbier hat der Experte übrigens nicht sofort erkannt. Zur Ehrenrettung: Es war eines der letzten Biere bei der Verkostung.

Ergebnisse der Blind-Verkostung:

Starke Sau, Bockbier hell, Brauerei Landsberg. Alexander Kusserow: „Tiefes Gelb, hat einen leichten Honiggeruch, leichte Süße, kräftig, Getreide. Ich würde sagen, dass ist ein industriell hergestelltes, durchaus solides Bockbier.“ Vier von fünf Kronkorken

Sommerpils, Handwerksbrauerei Schütte, Rottmersleben. Kusserow: „Dunkelgelb, leicht trüb, fruchtige Nase. Ein Lager, würde ich sagen. Echt gut. Stehe ich total drauf. Ist das ein India Pale? Handwerklich gebraut.“ Fünf von fünf Kronkorken

Sudenburger Helles, Magdeburger Getränkekombinat. Kusserow: „Hellgelbe Farbe, nicht ganz so facettenreich, eher ein geradliniges Pils, sehr getreidig, ziemlich bitter, nicht so voluminös, man schmeckt leichte Hefearomen.“ Vier von fünf Kronkorken

Kaiser-Otto-Bräu Festtagsbier, Spezialitätenbrauerei Eckart, Lindhorst. Kusserow: „Sehr trüb, man schmeckt Getreide, eine leichte Süße, feine Kohlensäure, ein bisschen mehr Alkohol. Festbier oder Märzen. Gut.“ Vier von fünf Kronkorken

Bierfreunde Hopfenrakete IPA 6,9 Prozent, Magdeburg. Kusserow: „Kräftig, intensiv bitter, malzbetont, trübe Farbe. Das ist das Gegenteil von einem Streckenbier. (lacht) Der Geschmack ist leider nichts für mich.“ Drei von fünf Kronkorken

Brewckau Chinook Lager, Magdeburg. Kusserow: „Die Farbe ist bernsteinfarben, es schmeckt wahnsinnig fruchtig. Im Sommer kann man das sicher gut trinken. Ich habe da so einen Verdacht. Aus Magdeburg eventuell?“ Vier von fünf Kronkorken

Colbitzer Edel, Colbitzer Heide-Brauerei. Kusserow: „Leichte Süße, das ist ein helles, sehr süffiges Sommerbier. Liebe auf den ersten Schluck, würde ich sagen. Da kann man auf Strecke auch mal drei große trinken, denke ich (lacht).“ Fünf von fünf Kronkorken

Magdebier, Getränkefeinkost, Magdeburg. Kusserow: „Das ist ein süffiges Helles, ziemlich ausgewogen, goldgelbe Farbe. Nach den Bitterbieren wird es immer schwieriger, milde Biere zu verkosten. Schmeckt mir aber!“ Vier von fünf Kronkorken

Hasseröder Premium Export, Hasseröder Brauerei, Wernigerode. Kusserow: „Dunkelgelbe Farbe, extrem blank, intensiv bitter, Getreide. Hier haben wir ein sehr solides, industriell gebrautes Pils, würde ich sagen.“ Vier von fünf Kronkorken

Schulzens Ziegelrot, Alte Brauerei, Tangermünde. Kusserow: „Rötlich, schöner Schaum, relativ trüb. Es schmeckt sehr getreidig, hat ein schönes Verhältnis zwischen Malz und Frucht. Sehr facettenreich, wirklich lecker.“ Fünf von fünf Kronkorken