Die Kenia-Koalition hat beim Thema Islamunterricht eine Lösung gefunden, die mehr als ein Zwischenschritt sein kann. Es ist sachlich nichts dagegen einzuwenden, Religion wertneutral in den Ethikunterricht einzubinden. In Sachsen-Anhalt entspricht das auch den Rahmenbedingungen: Die Zahl muslimischer Schüler ist begrenzt, die Gesellschaft säkular. Gemeinsamer Unterricht mit vielen Perspektiven verhindert zudem, dass Jugendliche sich wegen ihrer Anschauung voneinander entfremden.

Allerdings: Wertegebundener Religionsunterricht ist durch das Grundgesetz geschützt. Er ist eine wichtige Säule der Religionsfreiheit. Was Christen zusteht, muss daher auch für Muslime gelten. Dass es Vorbehalte gibt, ist dennoch verständlich. Mit der Ditib etwa steht vielen Kultusministerien in den alten Ländern ein Islam-Verband als Partner gegenüber, dessen Unabhängigkeit von der Türkei mindestens infrage steht. Wollen die Islamverbände Vertrauen, braucht es daher auch ein deutliches Bekenntnis zu freiheitlichen Werten.