Magdeburg l Die Fahrschule von Nico Liebsch hat zwei Niederlassungen, eine in Brandenburg, eine in Sachsen-Anhalt. An seinem Standort im brandenburgischen Prignitz-Kreis darf Liebsch Fahrstunden anbieten. Rund 20 Kilometer südlich, in Havelberg im Landkreis Stendal, ist es ihm untersagt – obwohl der Altmark-Kreis zuletzt nicht einmal halb so viele Corona-Fälle pro Einwohner verzeichnete.

„Das ist nicht nachvollziehbar“, betont Liebsch. Doch er weiß natürlich, die Regeln werden nicht in den Landkreisen gemacht. Die Bundesländer sind sich nicht einig, wie sie mit den Fahrschulen umgehen sollen. In Brandenburg und Bremen dürfen Fahrlehrer unter Auflagen weiterarbeiten. Andere Länder verbieten den Unterricht oder schränken ihn stark ein.

In Sachsen-Anhalt sind die Fahrschulen seit dem 16. Dezember geschlossen. Allerdings können Fahrschüler ihre theoretische oder praktische Prüfung weiterhin ablegen, wenn sie sich vor diesem Termin dafür angemeldet haben. Eine Ausnahme gibt es außerdem für Berufskraftfahrer, also etwa für Bus- und LkwFührerscheine.

Neu hinzugekommen ist in der vergangenen Woche die Möglichkeit des Online-Unterrichts für die Theorie-Stunden. Fahrschulen müssen dafür einen Antrag stellen. Vor allem aber brauchen sie die technischen Voraussetzungen dafür, etwa Software-Lizenzen, Bildschirme, Mikrofone. Ein Probleme für viele Fahrschulen.

Offener Brief an den Ministerpräsidenten

„Das würde mich zwischen 2500 und 3500 Euro kosten“, sagt Andreas Welling, der gemeinsam mit seiner Frau Christiane eine Fahrschule in Magdeburg betreibt. Er will das Geld nicht investieren. Stattdessen fordert er in einem offenen Brief an Ministerpräsident Reiner Haseloff: „Öffnen Sie die Fahrschulen!“

Welling verweist auf Taxi-Unternehmen, die weiter fahren dürfen. Praktische Fahrstunden unter Hygienevorschriften seien damit vergleichbar, betont er. „Warum sind Taxi-Unternehmen höher gestellt als Fahrschulen?“, ärgert sich der Fahrlehrer.

Für den Theorie-Unterricht durften die Fahrschulen bis zum 16. Dezember maximal fünf Teilnehmer in den Kursraum lassen. Welling sagt, er habe die Nachfrage damit schon nicht decken können. „Wir mussten das ganze Jahr Leute ablehnen“, berichtet er.

Von Anrufern, die verzweifelt nach einer Möglichkeit suchen, einen Führerschein zu machen, berichtet auch Wolfgang Prescher vom Landesfahrlehrerverband. Auch er kritisiert die Ungleichbehandlung der Fahrschulen in den Bundesländern. Weil jetzt vielen die Einnahmen fehlen, befürchtet Prescher eine Verschärfung des Fahrlehrermangels im Land durch Pleiten.

Der nun zulässige Online-Unterricht ist laut Prescher für viele Fahrschulen keine Lösung. Ihm seien nur wenige Fahrlehrer bekannt, die diese Möglichkeit nutzen wollen. „Viele sind davon nicht begeistert“, sagt er. Zum einen wegen der Kosten für das nötige Equipment, zum anderen wegen zu befürchtender Qualitätsmängel im Vergleich zum Präsenz-Unterricht.

Fahrlehrer Liebsch will es versuchen. Für seine Fahrschüler in Sachsen-Anhalt hat er einen Antrag zum Online-Unterricht gestellt.