Magdeburg (dpa) l Herzkrankheiten kosten in Sachsen-Anhalt besonders viele Menschen das Leben – dagegen tritt das Land nun mit einer Aufklärungskampagne an. Anfang Juni soll die erste Herzwoche den Auftakt zu einer vierjährigen Kampagne bilden, sagte Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) am Mittwoch in Magdeburg. Es gehe um unabhängige, einfache, bürgernahe Informationen. Die Sachsen-Anhalter sollten damit mehr erfahren über Gefahren des Herzinfarkts, über vorbeugendes Verhalten und richtiges Verhalten im Notfall.

Eine Aktion im Umweltbundesamt am 2. Juni steht am Anfang der ersten Herzwoche. Bis zum 10. Juni sind dem Ministerium zufolge medizinische Vorträge, Blutdruck-, Puls- und Blutzuckermessungen sowie Telefonforen geplant. Grimm-Benne sagte, dass es überall im Land Angebote gibt. Dazu trügen die vielen Partner bei. Es beteiligten sich etwa alle Landkreise, 27 Krankenhäuser, mehr als 100 niedergelassene Ärzte und fast 600 Apotheken. Partner ist die Deutsche Herzstiftung, die kostenfreies Informationsmaterial zur Verfügung stellt.

Grimm-Benne betonte, es solle nicht nur bei einer einmaligen Aktionswoche bleiben. Vielmehr solle die Informationsarbeit verstetigt werden. In diesem Jahr stehe der Herzinfarkt mit den Risikofaktoren im Mittelpunkt, im kommenden Jahr soll die Reanimation im Fokus stehen. Dietrich Andresen, Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung erklärte: "Wir müssen den Bürgern klar machen, dass sie verantwortlich sind für ihre eigene Gesundheit." Andresen lobte das Engagement des Landes, ihm sei keine derartige Kampagne anderer Bundesländer bekannt, die eine solche Basis und Dauer habe.

Schlusslicht bei Herzinfarkttoten

Sozialstaatssekretärin Beate Bröcker sagte, es werde auch auf die Notfallversorgung geschaut. Untersuchungen hätten gezeigt, dass längst nicht alle Patienten in die Krankenhäuser mit der notwendigen Ausrüstung für Herzpatienten eingeliefert würden. Wertvolle Zeit verstreiche so. Sachsen-Anhalt hatte 2013 ein Herzinfarktregister aufgebaut.

Der aktuelle Herzbericht der Deutschen Herzstiftung hat nach Angaben des Ministeriums gezeigt, dass in Sachsen-Anhalt im Ländervergleich die meisten Menschen an Herzkrankheiten sterben. Im Jahr 2015 seien ihnen 316 Menschen je 100 000 Einwohner erlegen. Das Risiko für einen Herzinfarkt steigt der Deutschen Herzstiftung zufolge etwa bei einer Zuckerkrankheit auf das Siebenfache, bei erhöhtem Blutdruck vervierfacht es sich, ebenso beim Rauchen. Gegenstrategien sind gesunde Ernährung und Sport.