Magdeburg l Kein Fieber, kein Kopfschmerz, kein Halskratzen – und trotzdem zum Corona-Test? In Bayern soll das bald möglich sein. Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) kündigte gestern an: „Allen Bürgerinnen und Bürgern Bayerns wird zeitnah angeboten, sich bei einem niedergelassenen Vertragsarzt auch ohne Symptome testen zu lassen.“

Bayern wäre das erste Bundesland, das flächendeckend solche Massentests anbietet.

Das Bundesland reagiert damit auf den massiven Ausbruch beim Fleischverarbeiter Tönnies in Nordrhein-Westfalen. Im besonders stark betroffenen Kreis Gütersloh war die Zahl der Infizierten auch außerhalb der Betriebe deutlich angestiegen. Bayern will daher in 33 Betrieben Reihen-Tests organisieren und zudem Abstriche für alle im Bundesland anbieten, die das wünschen.

In Schwerpunktbereichen wie Kliniken, Pflegeheimen, Schulen und Kitas trägt die Krankenkasse die Kosten. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte dies mit einer Verordnung jetzt geregelt. Ein Test kostet ab 1. Juli 39,50 Euro. Darüber hinaus gehende Tests würde Bayern aus der Landeskasse tragen. Dies sei ein „ergänzendes Angebot, das vollständig aus staatlichen Mitteln getragen wird“, teilte das Ministerium in München mit.

Was macht Sachsen-Anhalt? Auch hier wurden Massentests in Erwägung gezogen, dann aber verworfen. „Mediziner sagen uns, dass wir dadurch eine trügerische Sicherheit bekämen“, sagte Gesundheitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) gestern auf Nachfrage der Volksstimme. Beispiel: Jemand lässt sich testen, obwohl er sich gesund fühlt. Er bekommt am Montag die gute Nachricht, dass der Test negativ ausgefallen ist und fühlt sich sicher. Am Dienstag aber steckt er sich an. „Jeder müsste sich streng genommen jeden zweiten Tag testen lassen, um sicher zu gehen“, sagte die Ministerin. „Durch flächendeckende Massentest bekämen wir immer nur ein Lagebild für einen Tag.“

Stichproben in Heimen und Schulen

Sachsen-Anhalt will bei seiner im Juni beschlossenen Strategie bleiben: Stichproben in Schwerpunktbereichen. Dazu gehören Fleischbetriebe. Zudem begannen jetzt Untersuchungen in Heimen. Monatlich können so etwa 2000 Senioren und Pfleger getestet werden. Zudem sollen Kinderärzte Tests für Kinder während der Voruntersuchungen anbieten. Mit Schuljahresbeginn sind zudem Stichproben für ältere Kinder, Jugendliche und Pädagogen an weiterführenden Schulen geplant. So sollen auch hier monatlich landesweit gut 2000 Abstriche vorgenommen werden. Massentest-Angebote für Menschen ohne Symptome soll es nur in Gemeinden mit großen Ausbrüchen geben wie zuletzt in Magdeburg. „Wir entscheiden nach Gefahrenlage“, sagte die Ministerin. Seite 4