Zerben l Daniel Ladwig steht unter dem Schleppdach der Agrar-GmbH Zerben im Jerichower Land auf einer Drillmaschine und inspiziert den Saatguttank. „Alles in Ordnung“, sagt der Diplomlandwirt und zeigt auf die Maschinen daneben. Die müssen noch gereinigt und überprüft werden, damit sie im Frühjahr wieder einsatzbereit sind.“ Der Mähdrescher, der unmittelbar danebensteht, sei eigentlich zu groß für die GmbH-Felder in Güsen und Zerben. „Aber wir bieten ja auch Lohnarbeit für andere an. Deshalb rechnet sich die Maschine letztlich dann doch.“

Und wann fällt nun die Klappe und die Bauern ziehen sich bis zum März auf ihre Sofas zurück? Der GmbH-Chef glaubt, sich verhört zu haben. „Ja, ja, das ist die typische Städtermeinung. Aber auch wenn man diesen Quatsch immer und immer wiederholt, wird er doch nicht wahrer.“ Es stimme zwar, dass die eigentliche Feldarbeit auf den 1057 Hektar, davon 336 biozertifiziert, der Natur geschuldet, ruhe, aber keinesfalls die Arbeit, sagt der 37-Jährige, der seit 2015 Geschäftsführer in Zerben ist.

Verschleißteile wechseln

„Der Maschinen- und Zubehörpark werden gereinigt und grundlegend gewartet, Verschleißteile ausgebaut und neue bestellt. Bei der Egge zum Beispiel die Scheiben oder wie hier beim Grubber die Scharen“, deutet er auf das Gerät, mit dem Böden aufgelockert werden, ohne ihn umzubrechen. Neben dem Zeitfaktor spiele auch eine Rolle, dass im Winter bestellte Teile ein paar Prozent preiswerter seien.

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Mehr als zehn Landmaschinen sind während der Saison auf den Äckern im Einsatz. Im Winter stehen sie meist trocken in einer großen Halle.

Die sogenannte Feldrandbeschneidung stehe ebenfalls an. „Baum- und Strauchbewuchs am Rande der Felder, die sogenannten Knicks, müssen ausgelichtet werden. Dafür haben wir eine Astsäge. Vor allem überstehende Äste werden entfernt, damit sie im kommenden Jahr nicht die Feldarbeiten behindern.“ Und da komme je nach Ackergröße einiges an Arbeit zusammen. „Erlaubt ist diese Tätigkeit nur zwischen dem 1. Oktober und dem 28. Februar, weil während dieser Zeit keine Vögel in den Ästen und Zweigen nisten.

Und dann sind da noch der Jahresabschluss und die Ernteauswertung. „Wichtige Eckdaten, um für das kommende Jahr planen zu können“, sagt Ladwig. Aber mit der Planung sei es in den vergangenen zwei Jahren so eine Sache gewesen. „Dürre, Regen - und 2021 weiter Corona und vielleicht Schweinepest? Wir Landwirte stehen vor kaum dagewesenen Herausforderungen.

Deshalb sei das geflügelte Wort: Die Ernte wird im Winter gemacht, bestenfalls noch eine Richtschnur. „Die Unplanbarkeiten sind sehr groß.“

8000 Kilowatt mehr

Wenn so langsam die Temperaturen unter null Grad fallen, beginnt die Schulungs-, Weiterbildungszeit und die der Informationsveranstaltungen bei den Landwirten. „Da geht es zum Beispiel über den geforderten Sachkundennachweis in Sachen Pflanzenschutz, an dem vier unserer acht Mitarbeiter teilnehmen müssen“, sagt Ladwig. „Außerdem müssen wir Schulungen für die Biogasanlagen belegen.“

Und wie aufs Stichwort steht ein Großtransporter mit Teilen für die Erweiterung der Biogasanlage der Agrar GmbH vor dem Tor.

„Auch eine Sache, die wir im Winter in Angriff nehmen“, so der Landwirt. Und ein wenig Stolz schwingt in seiner Stimme mit, als er fortfährt. „Wir erweitern die Anlage um mehr als 8000 Kilowatt pro Tag - der Jahresverbrauch von zwei Haushalten. Die Wärme, die zusätzlich durch die Umwandlung chemischer Energie in elektrische und thermische entsteht, heizt zudem die GmbH-Gebäude.“ Bis zu 80 Prozent Rindermist, der Rest Mais sei die Grundlage der Biogasanlage. „Den zusätzlichen Strom, den wir nach der Erweiterung durch das kleine Blockheizkraftwerk produzieren, werden wir verkaufen.“

Gleich neben der Biogasanlage sind zwei Mitarbeiter der Pareyer Spezialfirma Wegner dabei, den Brunnen zu reinigen. „Er ist ziemlich versandet“, so Ladwig. „Jetzt haben wir die Möglichkeit, die Sache in Ordnung zu bringen.“

Unweit des Brunnens sind die Ställe der 200 Mutterkühe, die nebenbei auch zu rund 80 Prozent den Grundstoff Rindermist für die Biogasanlage liefern. Der Rest ist Mais.

Die Gärreste aus der Anlage auf die Grünlandflächen der GmbH auszubringen, liegt in den letzten Zügen. „Bis zum 1.  Februar dauert die gesetzliche Sperrfrist.

Und Hand aufs Herz: Was ist nun mit dem bäuerlichen Winterschlaf?

„Gibt‘s nicht. Aber: Zwischen März und Oktober haben wir so viele Überstunden angehäuft, dass sie, wenn die grobe Arbeit beendet ist, diese Zeit natürlich abbummeln. Außerdem kann der Landwirt im Sommer keinen Urlaub nehmen. Das holen wir jetzt nach.“