Magdeburg l Die Corona-Krise bedeutet nicht zwangsläufig Stillstand: So erfreut sich in Zeiten des Lockdowns das Spazierengehen an der frischen Luft wieder größerer Beliebtheit. Hartgesottenere gehen ihrem Bewegungsdrang bei einer Runde Jogging durch den winterlichen Park nach. Immer häufiger wird der Sport aber auch in den digitalen Trainingsraum verlegt: So begegnen in Sachsen-Anhalt inzwischen auch einige Vereine und Fitnessstudios den im Lockdown verordneten Schließungen mit Online-Trainingseinheiten und Fitnessclips im Internet.

„Wir hatten dieses Jahr insgesamt fünf Monate geschlossen, das ist echt der Horror“, klagt Andreas Epperlein vom Magdeburger Fitnessstudio „Activ Vital“. Der Studiobetreiber spricht damit aus, was wohl viele Verantwortliche aus dem Sportbereich in den vergangenen Monaten gedacht haben mögen. Um der Situation zu begegnen, hat Epperlein schon im ersten Lockdown damit begonnen, gemeinsam mit den Studio-Trainern Videos für die Videoplattform Youtube und die eigene Homepage zu produzieren. Die kurzen Filme mit Tipps zu Ernährung, Entspannung und einzelnen Trainingseinheiten würden im Anschluss über die sozialen Netzwerke beworben.

Über Zoom kostenlose Workouts für alle

Im Vordergrund stehe dabei weniger der kommerzielle Aspekt, primär gehe es darum, den Kontakt zu den Kunden nicht zu verlieren, sagt Epperlein. „Wir möchten gar kein professionelles Angebot erstellen, in dem uns unsere Kunden am Ende nicht mehr wiederfinden“, erklärt der Magdeburger. Wichtiger als die unregelmäßigen Trainingsvideos seien ihm und seinen Mitarbeitern der persönliche Kontakt – ob telefonisch oder per Mail – zur oft älteren Stammkundschaft. Dennoch kann sich Epperlein vorstellen, das Angebot auch nach der Krise weiterzuführen. „So haben die Menschen auch etwas von uns, wenn sie zum Beispiel im Urlaub sind“, so der Gesundheits-Fachmann.

Professioneller geht es im Magdeburger Fitnessstudio Life im Herrenkrug zu. Zweimal täglich bieten die Fitness-Experten Kurse über die Videotelefonie-Software Zoom an. Teilnehmen können an den Workouts, die im Anschluss als Videos kostenlos in den sozialen Medien abrufbar sind, sowohl Mitglieder als auch Nicht-Mitglieder. Zufrieden ist Jörg Düniß mit der Situation dennoch nicht: „Am Ende ist es ein Tropfen auf dem heißen Stein, mit dem auch nur ein Bruchteil der Mitglieder erreicht werden kann“, räumt der Geschäftsführer ein. Auch für ihn liege die Hauptintention in der Kundenpflege.

„Eine seriöse Betreuung nach gesundheitlichen Maßstäben ist online einfach schwierig“, sagt Düniß. Es gehe viel von der Atmosphäre im Studio verloren, außerdem sei das gemeinsame Training nicht zuletzt ein sozialer Kommunikationspunkt für die Teilnehmer – dieser Austausch würde schlicht fehlen. Ganz zu schweigen von der Möglichkeit, bei größeren Gruppen als Trainer korrigierend einzugreifen.

Vieles kann zu Hause nur schwer ausgeübt werd

Was die Profis vom 1. FC Magdeburg im Frühjahr mit ihrem virtuellen Mannschaftstraining vorgemacht haben, ist für Amateurclubs im Breitensport oft schwieriger zu realisieren. Insgesamt 3060 Sportvereine gibt es

laut Statista in Sachsen-Anhalt. Zwar geht es den Vereinen dank der Unterstützung von Landessportbund sowie Städten und Gemeinden wirtschaftlich oft besser als Dienstleistern wie Fitnessstudios. Doch in vielen Fällen erschwert schon die jeweilige Ausrichtung der Sportarten ein effektives Training zu Hause.

Das gilt für Kontaktsportarten wie Judo oder Eishockey, bei denen schon der Sache nach das Infektionsrisiko größer ist. Aber auch Fußball oder Tennis lassen sich nur schwer in den eigenen vier Wänden spielen, soll die Wohnzimmergarnitur am Ende nicht in Trümmern liegen.

Das weiß auch Tobias Prüfert, der in Magdeburg den Karateclub Budo mit rund 400 Mitgliedern betreibt. „Karate trainiert den ganzen Körper und lässt sich auf Distanz betreiben. Man braucht nicht unbedingt einen Partner“, sagt der Landestrainer. Gerüstet mit den guten Erfahrungen aus dem ersten Lockdown – „das Feedback war überwältigend“ – habe er gemeinsam mit den hauptamtlichen Trainern unmittelbar nach der erneuten Schließung im November wieder begonnen, Trainingseinheiten aus dem Karatezentrum an der Weitlingstraße per Zoom zu übertragen.

Für den Informationsfluss existierten seit Längerem WhatsApp- und E-Mail-Gruppen, sogar Drei- bis Sechsjährige seien beim Online-Training mit dabei, so Prüfert. Auf diese Weise könnten die Mitglieder sogar trotz der Schließung weiter für ihre Gürtelprüfungen trainieren. Um Ermüdungserscheinungen bei den kleinen und großen Karatekas vorzubeugen, versucht Tobias Prüfert, das Training facettenreich zu gestalten. Ein Highlight steht mit dem „Christmas Special“ am heutigen Samstag an: Bei dem kostenlosen Online-Karate-Seminar werden rund 200 Teilnehmer aus 16 Vereinen vor dem heimischen Bildschirm gemeinsam Sport treiben.

Den Spaß an der Sache wollen auch Andreas Epperlein und sein Team von „Activ Vital“ nicht verlieren. So haben sie zuletzt an einer Tanz-Challenge zum Song „Jerusalema“ des südafrikanischen DJs Master KG teilgenommen und das Ergebnis als Video – wo sonst – im Internet veröffentlicht.