Quedlinburg l Kleine Gassen, so eng, dass sie als gemütlich gelten und ein historischer Stadtkern, in dem sich Fachwerkhaus an Fachwerkhaus reiht, eins älter als das andere: Es gibt schlimmere Arbeitsorte als den von Frank Ruch, der als Quedlinburgs Oberbürgermeister im Rathaus inmitten dieser historisch reichen Altstadt sitzt. Doch der CDU-Politiker hat in diesen Tagen wenig Zeit, um über seinen Arbeitsort zu philosophieren, „ausruhen können wir uns im nächsten Jahr“, sagte Ruch gestern bei der Programmvorstellung zum 22. Sachsen-Anhalt-Tag vom 31. Mai bis 2. Juni.

Beim großen Landesfest will die kleine Welterbestadt eigene Akzente setzen. So wird es neben den Regionaldörfern erstmals ein Welterbedorf geben, in dem sich Welterbestätten aus Deutschland und der Schweiz präsentieren. Auf einer Job- und Wirtschaftsmeile präsentieren sich regionale Arbeitgeber und mit dem „Quedlinburger Kaiserfrühling“ will die Stadt ihrer historischen Bedeutung gerecht werden. Eine Besonderheit ist auch die Instrumentenmeile, auf der Schüler und Musiker selbstgebastelte Instrumente präsentieren. Am 3D-Drucker können Kinder zudem ihr eigenes Instrument erfinden.

10.000 Menschen wirken beim Volksfest mit, bis zu 150.000 Besucher werden erwartet – eine logistische Großaufgabe. „Mit dem historischen Grundriss gibt es Besonderheiten im Verkehrs- und Sicherheitskonzept, die ein große Herausforderung darstellen“, sagte Ruch. Zudem ist das Landesfest in diesem Jahr längst nicht das einizige Highlight. Im großen Festjahr feiert Quedlinburg 25 Jahre Unesco-Welterbe, 30 Jahre Friedliche Revolution und auch die Königserhebung Heinrichs I (876 bis 936). jährt sich zum 1100. Mal. Die Frage, ob sich Quedlinburg mit dem Landesfest nicht übernimmt, wurde 2017 auch von Stadtratsmitgleidern gestellt. „Es stimmt, es gab 2017 eine sehr knappe Abstimmung im Stadtrat zur Bewerbung“, bestätigte Ruch, „aber nach der anfänglich harten Diskussion ist die Akzeptanz immer größer geworden, auch bei den Gewerbetreibenden“.

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2017 beschloss die Landesregierung das Volksfest nur noch alle zwei Jahre zu organisieren. Die Liste der sich anbietenden Ausrichterstädte wurde schlichtweg immer kleiner, „zum anderen haben die Städte, aber auch Sponsoren und die Staatskanzlei als Mitausrichter mehr Zeit für die Organisation“, sagte Daniel Mouratidis, stellvertretender Regierungssprecher. Das Land fördert den Sachsen-Anhalt-Tag mit 250.000 Euro, eine „deutliche Steigerung“, betonte Mouratidis. Außerdem: „Wir haben deutlich mehr Sponsoreneinnahmen als geplant“, sagt der Oberbürgermeister.

Die Erwartungen sind groß, jedoch nicht nur bei den Besuchern. „Die Einwohner erwarten, dass die Gemütlichkeit ihrer Stadt trotz allem erhalten bleibt“, so Ruch.