Barleben l Die kurzfristige Absage des Betriebsfestes in diesem Sommer werteten viele Mitarbeiter des Arzneimittel-Werks Salutas in Barleben bereits als schlechtes Zeichen. Am Donnerstagnachmittag verkündete die Geschäftsführung bei einer Betriebsversammlung dann Erschreckendes: 150 der 1172 Beschäftigten werden ihren Arbeitsplatz verlieren. Das bestätigte ein Sprecher des Sandoz-Konzerns, zu dem das Salutas-Werk gehört, gegenüber der Volksstimme wenige Stunden später. Die Geschäftsführung werde jetzt mit dem Betriebsrat über das weitere Vorgehen beraten. Geplant sei, den Stellenabbau Anfang 2018 umzusetzen.

Die Gewerkschaft IG BCE kritisierte die geplanten Entlassungen: „Wir sind überrascht“, sagte Gewerkschafts-Sekretär Roland Gratzer der Volksstimme.

Das Unternehmen begründet den Schritt mit dem Rückgang des Produktionsvolumens: Bislang hatte das Werk in Barleben rund zehn Milliarden Kapseln und Tabletten im Jahr produziert. Zuletzt verließen aber nur noch etwa acht Milliarden Pillen den Standort. Auf dem Markt für nachgeahmte Medikamente – sogenannte Generika – lastet seit jeher ein hoher Kostendruck. Denn die Krankenkassen bevorzugen bei ihren Ausschreibungen den günstigsten Hersteller. Alle anderen Wettbewerber gehen leer aus. Nach Informationen der Volksstimme zog Sandoz mit seiner Marke Hexal zuletzt öfter den Kürzeren.

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Darauf musste der Konzern reagieren. In den vergangenen Monaten organisierte Sandoz die Produktion von Arzneien neu. Über eine höhere Menge soll mehr Gewinn erzielt werden, auch wenn der Kostendruck der Krankenkassen weiter hoch ist, erzählt ein Insider. Schlecht für Barleben: Die Konzern-Strategie riss ein riesiges Loch. Wie die Volksstimme erfuhr, verlagerte Sandoz die Herstellung einiger Medikamente aus Sachsen-Anhalt an die Standorte Strykow (Polen) und Ljubljana (Slowenien). Kosten für Personal und Energie sind dort geringer.

Chefetage im Fokus

An dem Standort nördlich von Magdeburg steht aber auch die Chefetage im Fokus. In den vergangenen Jahren wechselte die Firmenleitung mehrfach. Quellen aus dem Unternehmens-Umfeld berichten zudem von einer aufgeblähten Verwaltung und Einsparungen in der Produktion. „Der Standort ist nicht mehr leistungsfähig“, ist aus dem Unternehmen zu hören.

Im Sandoz-Firmenverbund war Salutas in Barleben jahrelang die größte Produktionsstätte. Noch immer spielt das Werk in der Konzern-Logistik die Hauptrolle: Sandoz versendet von hier Arzneien in 140 Länder. 1995 hatte Hexal nahe der Autobahn für rund 170 Millionen den Standort neu gebaut. Vor mehr als zehn Jahren übernahm die schweizerische Novartis-Gruppe und integrierte Salutas in den Sandoz-Verbund, in dem der Konzern das Generika-Geschäft gebündelt hat.

Hier finden Sie den dazugehörigen Kommentar des Autoren Dominik Bath zum Thema.