Köthen (dpa) l Wegen Sanierungsarbeiten ist die historische Naumann-Sammlung im Schloss Köthen (Landkreis Anhalt-Bitterfeld) vom 12. Oktober an für rund drei Jahre geschlossen. In dieser Zeit würden Dach und tragende Wände saniert, teilte die Stadt mit. Für die Arbeiten wurden der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt vom Bund 248.000 Euro aus dem Programm für "Nationale wichtige Kulturdenkmale" zur Verfügung gestellt.

Interessierte haben die Möglichkeit, in einer Abschiedswoche bis zum 11. Oktober an Führungen und Veranstaltungen teilzunehmen. Beispielsweise liest Naturschützer Ernst Paul Dörfler am 6. Oktober im Veranstaltungszentrum aus seinem jüngsten Buch "Nestwärme – Was wir von Vögeln lernen können".

Im Köthener Schloss sind seit 1835 rund 1300 ausgestopfte Vögel ausgestellt. Die Exponate sind auf 113 Schaukästen verteilt. Der Landwirt und Ornithologe Johann Friedrich Naumann (1780-1857) trug die Stücke in jahrelanger Arbeit als Grundlage für sein dreizehnbändiges Hauptwerk "Naturgeschichte der Vögel Deutschlands" zusammen.

Als Naturbeobachter präparierte Naumann jedes Tier eigenhändig. Sie dienten ihm als Modelle für seine Zeichnungen und kolorierten Kupferstiche. Das Besondere: In den Schaukästen setzte Naumann die Vögel immer in einen Kontext zu ihrer Lebenswelt. Er zeichnete zum Beispiel den Ast, auf den sich der Vogel mit Vorliebe setzte und dazu zeichnete er als Hintergrund die Lebensumwelt des Tieres. Dass die Präparate bis heute erhalten geblieben sind, liegt an den luftdichten Schaukästen, die auf Anweisung Naumanns angefertigt wurden.

Die Naumann-Sammlung steht auf der "Liste des national wertvollen Kulturgutes". Den Angaben zufolge ist es die einzige Vogelsammlung der Welt, die original im Biedermeierstil erhalten geblieben ist. Im Jahr 1821 kaufte Herzog Friedrich Ferdinand von Anhalt-Köthen (1769-1830) die Sammlung. Mit der Sanierung hofft die Stadt auf eine erhöhte touristische Attraktivität. Vor der Corona-Pandemie kamen im Durchschnitt 3600 Besucher pro Jahr.