Magdeburg l Pump, pump, pump – nach 30 kräftigen Stößen auf das Herz der Gummipumpe beginnt die 13-jährige Leonore Köppe schon leicht zu schwitzen. „Weiter geht’s!“, ruft Dr. Cornelia Keßling, und so pumpt die Schülerin weiter, ihr langes Haar fliegt auf und ab. „Die Rippen sind jetzt natürlich gebrochen“, sagt die Ärztin, „aber das macht nichts. Das kann man wieder reparieren.“

Was die Notärztin den Siebtklässlern des Magdeburger Norbertusgymnasiums vermitteln will: Jeder kann Leben retten, auch ein Kind. Und: Nichts ist schlimmer, als nichts zu tun. „Wenn jemand tot ist, ist er tot. Es geht darum, die ersten zehn Minuten zu überbrücken, bis der Rettungswagen eintrifft.“

Mit einigem Kichern haben die meist 13-jährigen Kinder die Reanimations-Puppe untersucht, die auf dem Boden liegt und Hilfe braucht. Doch schon wenig später üben sie ernsthaft die Herzdruckmassage, sie platzieren die Klebe-Elektroden des Defibrillators auf dem Oberkörper und pusten in den Mund der Puppe. Würden sie das auch bei lebenden Menschen machen? „Bei meiner Familie und meiner besten Freundin auf jeden Fall“, sagt Louisa Berschneider sofort. „Aber bei Jungs ...?“ Sie kichert, ihre Freundinnen fallen ein.

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Der vierstündige Reanimationskurs ist in dem katholischen Gymnasium ab sofort für alle Siebtklässler verpflichtend. In der achten Klasse folgt ein einstündiger Auffrischungskurs. Jeder Norbertusschüler soll wissen, wie man einem Bewusstlosen hilft. „Die meisten Menschen lernen das erst vor der Führerscheinprüfung“, sagt Mario Großmann von den Maltesern, „aber das ist zu spät.“

Kinder müssen es probieren

Mit dem Hilfsdienst und einigen Ärzten aus der Elternschaft hat die Schule das Projekt auf die Beine gestellt. Großmann kennt die falschen Vorstellungen, die Menschen von Reanimation haben. „Die meisten stellen sich ein wildfremdes Unfallopfer vor, das auf der Straße liegt. Aber in den meisten Fällen sind es Menschen im eigenen Umfeld, denen das Herz aussetzt.“

Bereits jetzt ist Erste Hilfe in den Lehrplänen für Sachsen-Anhalts Schulen vorgesehen: in Biologie und Sport. Wie und wie lange das Thema behandelt wird, entscheiden die Schulen oder die Lehrer selbst. Schulleiter Reimund Märkisch, selbst ausgebildeter Rettungssanitäter, hält das für nicht ausreichend. Was man Schülern über Erste Hilfe erzähle, sei nach wenigen Tagen vergessen – entscheidend sei das Ausprobieren.

Das Bildungsministerium beobachtet das Magdeburger Projekt mit Interesse – möglicherweise wird mehr daraus. „Wir prüfen derzeit, wie in Sachsen-Anhalt das Thema Erste Hilfe im Unterricht im Bereich Reanimation verstärkt werden kann“, sagt eine Sprecherin. „Wir überlegen, ob wir ein Pilotprojekt dazu starten.“