Schierke l Ein nächster Koalitionskrach in der Causa Schierke bahnt sich an. Volksstimme-Informationen zufolge blockiert Umweltministerin Claudia Dalbert (Grüne) derzeit einen Landtausch für die touristische Entwicklung des Winterbergs in Schierke.

Rückzieher eine Stunde vor Termin

Der Flächentausch, der bereits am 20. Januar 2015 mit großem Medienrummel in einer Vereinbarung zwischen Land und Stadt unterzeichnet wurde, sollte nun am Dienstag, 12. September, mit den finalen Unterschriften des Landesforstbetriebes und der Wernigeröder Stadtverwaltung endgültig besiegelt werden. Doch eine Stunde vor besagtem Termin in Wernigerode soll der Direktor des zuständigen Landesforstbetriebs, Bernd Dost, im Auto vom Umweltministerium zurückgepfiffen worden sein. In dem Telefonat soll er darüber informiert worden sein, dass das Verfahren ausgesetzt ist und er wieder umkehren könne. Dost selbst war für die Volksstimme zu einer Stellungnahme nicht bereit.

Als Grund für die Regeländerung in einem fast abgeschlossenen Verfahren nennt Claudia Dalbert auf Volksstimme-Nachfrage „neue Erkenntnisse“ über die vom Tausch betroffenen Flächen. „Auf den Flächen befindet sich ein streng geschützter Lebensraumtyp“, so Dalbert. Das Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (ALFF) soll nun prüfen, ob der Tauschplan zweckmäßig sei und die öffentlichen Interessen gewahrt werden. Damit liegt der Tausch auf Eis. Der Ärger im Wernigeröder Rathaus ist entsprechend groß, die Verwaltung sei „mehr als irritiert“. „Der Sachverhalt untermauert die Blockadehaltung des Umweltressorts“, ließ Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) mitteilen.

Planung läuft auf Hochtouren

Worum geht es? Auf dem 146 Hektar großen Gebiet am Kleinen Winterberg soll das Erlebnisgebiet „Bergwelten Schierke“ samt Seilbahn und Ganzjahresangeboten entstehen. Schon seit Ende Oktober 2014 befindet sich auf diesem Areal das für knapp 13 Millionen Euro errichtete Parkhaus „Am Winterbergtor“. Das Gebäude mit 715 Stellflächen wurde vom Land mit etwa 10,4 Millionen Euro gefördert. Im Zuge des freiwilligen Tauschverfahrens hatte das Land 163 Hektar Waldflächen am Voigtstieg am Stadtrand von Wernigerode erhalten. Seit Anfang des Jahres 2015 bewirtschaften Landesbedienstete dieses Forstgebiet. Die Stadtforst ist derweil am Schierker Winterberg im Einsatz. Und: Die Planung für die Seilbahn läuft auf Hochtouren. Rein rechtlich waren die Flächen der Stadt Wernigerode und dem Land lediglich „zugewiesen“, weder Land noch Stadt sind bislang formal im Besitz der Waldflächen.

Das Winterberg-Projekt hatte sich zuletzt zur monatelangen Hängepartie entwickelt. Während die Planer des Investors Gerhard Bürger der Ansicht sind, das Projekt sei umweltverträglich, vertritt das von Dalbert geführte Umweltministerium die Ansicht, die Seilbahn würde Moorwälder zu stark tangieren. Nach einem Arbeitstreffen in Schierke Mitte Mai dieses Jahres hatte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sein Kabinett auf das 26-Millionen-Euro-Projekt am Winterberg eingeschworen.

Im Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr läuft derzeit das Raumordnungsverfahren für das Seilbahn-Projekt. Dort sowie in der Staatskanzlei war die Blockade aus dem Umweltressort auf Anfrage bislang nicht bekannt.