Magdeburg l Im Streit um eines der größten Tourismus-Projekte Sachsen-Anhalts am Schierker Winterberg hat Wernigerode einen Punktsieg eingefahren: Die Ganzjahres-Erlebnis-Welt mit Seilbahn für 26 Millionen Euro kann vorerst weitergeplant werden. Das Umweltministerium von Claudia Dalbert (Grüne) will der Stadt nun doch schneller als angekündigt, benötigte Flächen für Ersatzaufforstungen zur Verfügung stellen.

Der Vorvertrag über die Landesfläche von gut sechs Hektar im Südharz kam am Freitag im Wernigeröder Rathaus an. Oberbürgermeister Peter Gaffert hat ihn unterzeichnet und an den zuständigen Landesforstbetrieb zurückgeschickt – die Behörde untersteht dem Umweltministerium. Für weitere 90 Hektar Bergfichtenwald, die Stadt zu einem Schutzgebiet aufwerten will, gebe es eine mündliche Zusage. „Es gibt nun die Freigabe“, sagte Gaffert. Das Umweltministerium bestätigte die Zusage für Flächen, wenn diese „denn gebraucht werden“.

Es ist eine erneute Wende in einem seit Monaten hängenden Verfahren. Noch vorige Woche hatte Dalbert gesagt, es gebe überhaupt keine zeitlichen Druck für eine Freigabe der Flächen. Gaffert sah das anders und setzte dem Ministerium ein Ultimatum bis heute: Ohne Zusage der Flächen sei das Planverfahren gefährdet – das wäre das Aus für das Vorhaben. Wegen der geplanten Eingriffe in den ökologisch sensiblen Oberharz – knapp 24 Hektar Wald müssen gerodet werden – gilt die Grünen-Politikerin Dalbert als erklärte Gegnerin des Seilbahnprojekts.

Ministerpräsident macht Druck

Dem Vernehmen nach hat Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) Druck auf sie gemacht, die Flächenzusage zu beschleunigen. Es wäre nicht das erste Mal. Im Februar hatte Haseloff sogar von seiner Richtlinienkompetenz Gebrauch gemacht und Dalbert förmlich angewiesen, das Projekt voranzutreiben. Damals ging es um einen Waldflächentausch zwischen Stadt und Land. Dalbert hatte daraufhin von einer „Harzmafia“ gesprochen, die sich durchgesetzt habe.

CDU-Fraktionsvize Ulrich Thomas zeigte sich gestern erleichtert. Allerdings ist er über Dalberts Verhalten schwer verärgert. „Es geht nur noch mit Druck – freiwillig macht Frau Dalbert bei diesem Thema offenbar gar nichts mehr.“ „Ich begrüße die Entwicklung“, sagte dagegen SPD-Fraktionsvize Andreas Steppuhn. Vielleicht sei es am Ende doch nicht viel mehr als ein Sturm im Wasserglas gewesen.

Ob das so ist, bleibt aus Sicht des Wernigeröder Rathauses noch abzuwarten. Skeptisch blickt die Stadt auf den Vorschlag des Ministeriums, ein 500 Hektr großes Naturschutzgebiet (FFH) auf Flächen exakt rund um das Seilbahn-Gebiet auszuweiten. Einbezogen werden könnten eben jene Flächen, die die Stadt als Ausgleichsmaßnahme für Rodungen aufwerten will. Käme es so, wäre das Vorhaben wieder bedroht, sagt Projektkoordinator Andreas Mehling.