Magdeburg l Die Kosten für die Jugendhilfe belasten immer stärker die öffentlichen Kassen in Sachsen-Anhalt. Laut Rechnungshof sind die Ausgaben zwischen 2009 und 2016 von 200 Millionen Euro auf 340 Millionen gestiegen – ein Plus von 70 Prozent. Zur Jugendhilfe zählen etwa die Kindergärten. Aber auch „Hilfen zur Erziehung“. Darunter fallen Beratungs- und Betreuungsangebote der Kreis-Jugendämter sowie die Unterbringung von Kindern in Wohngruppen oder Heimen. Letzteres kommt etwa bei Überforderung von Eltern, Vernachlässigung sowie bei alleinreisenden, minderjährigen Flüchtlingen infrage.

Kritisch sieht der Rechnungshof etwa den immensen Anstieg der Mitarbeiterzahl in den kostenintensiven Einrichtungen für Hilfen zur Erziehung. Das Personal wuchs hier zwischen 2010 und 2016 von 2669 auf 4330 (+62 Prozent) an. Im gleichen Zeitraum stieg die Zahl der Plätze aber nur von 5324 auf 5779 (+8,5 Prozent). Die Prüfer stellen dem Trend die Kostenentwicklung in der Jugendarbeit – zum Beispiel Jugendclubs und Streetwork – gegenüber. Hier stiegen die Ausgaben zwischen 2009 und 2016 nur um rund ein Drittel.

Der Rechnungshof vermutet einen Trend zu individuellerer Betreuung, hat das Sozialministerium aber um Einordnung gebeten. Der Volksstimme erklärte die Behörde von Ministerin Petra Grimme-Benne (SPD): Die Ausgaben für die Jugendhilfe hätten sich seit 2009 bundesweit mehr als verdoppelt. Das geht auch aus dem „Kinder- und Jugendhilfereport 2018“ hervor. Bundesweit kletterten die Ausgaben demnach zwischen 2006 und 2019 von 20,9 auf 45,1 Milliarden Euro.

Überregional schlagen vor allem der rechtlich verankerte Ausbau der Kita-Betreuung sowie eine insgesamt gestiegene Inanspruchnahme von Hilfen zur Erziehung zu Buche. Für Sachsen-Anhalt sieht Grimm-Benne die zuletzt gestiegene Zahl von Heimunterbringungen mit Sorge: Meldeten die Jugendämter 2006 noch 1046 Fälle, waren es 2016 bereits 2298 und 2018 immer noch 1489.

Erziehungskompetenz stärken

Hinter den Zahlen standen vor allem 2016 viele unbegleitete Flüchtlingskinder (1242), zuletzt aber auch überforderte Eltern, Vernachlässigung oder elterliche Gewalt. „Wir müssen die Erziehungskompetenz stärken, damit dieser Schritt nicht so häufig notwendig wird“, sagte die Ministerin. Um den Kostenanstieg zu bremsen, sieht Grimm-Benne die Kommunen in der Pflicht. Bei der Planung der Jugendhilfe sollten diese für ihre Region klare Schwerpunkte festlegen.

Die Linke kritisiert derweil einen steten Abbau bei der offenen Jugendarbeit, etwa bei der Förderung von Jugendklubs. Trotz steigender Geburtenzahlen und Einschulungen habe das Land seit 2010 fast 2,2 Millionen Euro gekürzt, sagte Abgeordnete Kristin Heiß. Die Folge seien Lohndumping und Schließungen. Erst vor Tagen habe in Schönebeck ein Jugendclub aufgeben müssen. „Der Trend ist fatal“, sagte Heiß. Denn gerade Jugendarbeit arbeite präventiv. „Hier muss dringend etwas passieren, sonst werden die Ausgaben für Hilfen zur Erziehung künftig weiter steigen.“