Magdeburg/Berlin l Zuerst war es ein Gerücht, dann eine harte Nachricht: Burkhard Lischka (53)  macht Schluss mit der Politik und wird im zweiten Halbjahr eine Notarstelle im Großraum Magdeburg übernehmen. „Es war für mich eine grundlegende Enscheidung, entweder bis zur Rente in der Politik zu bleiben oder in den Beruf zurückzukehren“, sagt  Lischka  gestern auf Volksstimme-Anfrage. Die Entscheidung sei ihm schwer gefallen, erklärte er. Doch das passiere nicht, weil es der SPD so schlecht gehe. „Dann hätte  ich 2016 nicht den Parteivorsitz im Land übernehmen müssen. Da war die Situation besonders schwer.“

Lischka hatte als innenpolitischer Sprecher der SPD gesamtdeutsches Profil gewonnen Er betont jedoch, dass er die Bundestags-Mitgliedschaft immer als Mitgliedschaft auf Zeit gesehen habe. Aus diesem Grundsatz habe er nie einen Hehl gemacht. Nun ergebe sich die Möglichkeit, wieder als Notar zu arbeiten. „Das hat mir viel, viel Spaß gemacht.“  Da nun eine der letzten Stellen im Raum Magdeburg auf lange Sicht zu besetzten war, habe er zugegriffen. Lischka sieht den Rückzug locker: „Ich will nicht dem Klischee von Politiker, die am Stuhl kleben und aus dem Saal heraus getragen werden müssen, entsprechen.“ Ein Bundestagsmandat neben der Notartätigkeit komme für ihn nicht in Frage.

Als Notar war der gebürtige Sauerländer, der aus einer Pfarrersfamilie stammt, auch Mitte der 1990er Jahre nach Sachsen-Anhalt gekommen. 1998 wurde er Geschäftsführer der Notarkammer des Landes. Nicht nur regional, auch  politisch wechselte der Jurist einmal den Ort: Nach neun Jahren bei den Grünen trat er 1989 in die SPD ein. Auf sozialdemokratisches Ticket wurde er 2006 Justizstaatssekretär in Sachsen-Anhalt. Den völlig überraschten Genossen vom Landesvorstand  der Sozialdemokraten erklärte Lischka seinen Schritt in einem persönlichen Brief. Er bat darin um „Verständnis für diese sehr persönliche berufliche Entscheidung.“

Katrin Budde, vor Lischka SPD-Landeschefin und heute Kollegin im Bundestag: „Es ist eine persönliche Entscheidung, die ich respektiere.“ Katja Pähle, SPD-Fraktionschefin im Landtag findet Lischkas Entschluss „menschlich und parteipolitisch schade“. Sie fügt hinzu: „Wir brauchen in der SPD Kämpfernaturen wie ihn.“ Zu einem möglichen Kandidaten für die Nachfolge im Landesparteivorsitz wollte sie sich nicht äußern. In den Bundestag rückt laut SPD-Listenplatz Marina Kermer aus der Altmark nach. Sollte sie nicht können oder wollen, wäre die Reihe an Eberhard Brecht aus Quedlinburg.

Auch wenn Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD) mit Lischka – der auch im Stadtrat sitzt – öfter im Gespräch ist, hatte er von diesem Schritt nichts geahnt. „Ich finde das sehr schade, da er eine angesehene Persönlichkeit ist und bundespolitisch eine gute Rolle gespielt hat. Er war ja nicht irgendwer.“ Auch für Magdeburg habe sich Lischka in Berlin stets eingesetzt. So hat er zuletzt Geld fürs Kloster Unser Lieben Frauen locker gemacht.

Lischka wirkte gestern aufgeräumt. Fühlt er sich befreit? „Wenn damit gemeint ist, das ich  froh bin, eine schwierige Entscheidung getroffen zu haben, dann ja.“