Wohnungsbau

Speckgürtel immer begehrter

Mit Haus und Garten lässt sich der Lockdown im Heimbüro für viele besser ertragen: Die Nachfrage nach Eigenheimen steigt.

03.01.2021, 23:01

Magdeburg l Wohnraum wird auch in der Coronakrise immer teurer. Um 8,6 Prozent sind die Preise für Ein- und Zweifamilienhäuser im dritten Quartal dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Das geht aus einer deutschlandweiten Untersuchung des Beratungsunternehmens F+B hervor. Firmenchef Bernd Leutner spricht gar von einem „zusätzlichen und offenbar auch nachhaltigen Nachfrageschub“ bei Eigenheimen durch die Corona-Pandemie.

Das bestätigen auch Immobilienunternehmer aus Sachsen-Anhalt. Robert Vesely etwa, Unternehmer aus Magdeburg und Regionalvorsitzender des Immobilienverbands Deutschland. Vesely sieht mit Verweis auf die Corona-Pandemie einen Trend zum Eigenheim im Speckgürtel der Städte. Vor allem im Umland von Magdeburg und Halle sei das deutlich zu spüren, berichtet der Immobilienfachmann. Durch Corona würden einigen die Vorteile eines großen Grundstücks erst richtig bewusst, sagt Vesely.

Dass Eigenheime vor der Stadt beliebter geworden sind als Eigentumswohnungen in der Stadt, legt auch die Studie von F+B mit Zahlen nahe. Der Preisanstieg für Eigentumswohnungen fällt dort nämlich um mehr als drei Prozent geringer aus. Eigentumswohnungen, angeboten vorwiegend in Städten, verteuerten sich im dritten Quartal nur um 5,5 Prozent.

Dazu muss man wissen: Es ist in den vergangenen zehn Jahren nicht die Regel gewesen, dass die Preise für Eigenheime stärker steigen als die für Eigentumswohnungen. Das betonen auch die Studienmacher von F+B. Sie verzeichneten in den vergangenen zehn Jahren bei Eigenheimen einen Preisanstieg von insgesamt rund 61 Prozent, Preise für Eigentumswohnungen stiegen im gleichen Zeitraum um etwa 88 Prozent.

Dass die Coronakrise den Trend zum Eigenheim vor der Stadt verstärkt hat, zeigen auch Daten des Webportals Immobilienscout 24. Wie eine Sprecherin des Unternehmens mitteilt, verzeichne die Webseite in Zeiten der Corona-Pandemie bis zu 50 Prozent mehr Suchanfragen für Eigenheime, vor allem die Speckgürtel der Großstädte seien nachgefragt.

Beispiel: der Landkreis Börde. Zuletzt stiegen die Preise für Einfamilienhäuser dort laut Immobilienscout 24 rasant. Ende des Jahres 2016 wurden Häuser im Landkreis demnach im Schnitt für knapp 1140 Euro pro Quadratmeter angeboten. Im vergangenen September kletterte der Preis auf 1570 Euro. Eine Steigerung von 38 Prozent in vier Jahren.

Was treibt den Trend zum Eigenheim vor der Stadt? Naheliegen ist, dass verstärktes Arbeiten von Zuhause die Nähe zum Arbeitsort weniger wichtig werden lässt. Bei der Stadtsparkasse Magdeburg, die auch Immobilien anbietet, sieht man das als einen möglichen Beweggrund für Kunden, in das Umland zu ziehen. Entscheidend seien aber auch die günstigeren Grundstückspreise in der Peripherie sowie die infrastrukturelle Anbindung zur Landeshauptstadt, betont Sparkassensprecher Mathias Geraldy.

Und dann ist da noch das Internet. Immobilienfachmann Vesely berichtet, langsame Internetverbindungen seien für einige Kaufinteressenten ein „No-Go“.

Bleibt die Frage, wie nachhaltig der Trend zum Eigenheim vor der Stadt ist. Rolf Krüger, Magdeburger Immobilienunternehmer und Landesvorsitzende des Rings Deutscher Makler, beobachtet die Tendenz zum Wohnraumkauf im Magdeburger Umland schon länger. Er sagt, momentan werde die Nachfrage verstärkt von Kapitalanlegern getrieben. Aufgrund der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank gelten Immobilien derzeit als besonders attraktive Anlageform.

Während die Kaufpreise steigen, ist der bundesweit starke Anstieg der Mieten laut der Studie von F+B derzeit gestoppt. Die Neuvertragsmieten lagen demnach im dritten Quartal nur 0,1 Prozent über dem Schnitt des gleichen Vorjahreszeitraums. Reint Gropp, Chef des Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Halle, warnt jedoch vor voreiligen Schlüssen. Er rechnet auch zukünftig mit steigenden Mieten, vor allem in den Ballungsräumen.