Magdeburg l Jedes Jahr überweisen die Stromkunden gut 23 Milliarden Euro „Stütze“ an die Windparks und Solardachbesitzer, um den Ökostrom zu bezahlen. Nächstes Jahr sinkt die sogenannte EEG-Umlage erstmals seit Jahren um gut zwei Prozent. Auch bei den Netzkosten gibt es Signale der Entspannung: Ostdeutschlands größter Netzbetreiber 50 Hertz reduziert seine Entgelte um 11 Prozent. Dank des voranschreitenden Ausbaus wurden Strom-Engstellen beseitigt und Kosten reduziert. Jedoch haben die meisten Privathaushalte nichts davon.

Von den 824 Stadtwerken und Regionalversorgern haben bislang erst 86 für den Jahresanfang einen Preisnachlass beschlossen, wie das Vergleichsportal Verivox ermittelt hat. In Sachsen-Anhalt sind es gerade mal drei: Die Stadtwerke Staßfurt und Wittenberg sowie die Energieversorgung Halle (EVH). In Thüringen sind es immerhin 8 Unternehmen und in Sachsen 14 Versorger, die ihre Preise senken.

In Sachsen-Anhalt zahlt eine vierköpfige Familie (3600 Kilowattstunden) im Jahr gut 1000 bis 1150 Euro für Strom. Vor zehn Jahren waren es noch 750 bis 800 Euro. Die für 2018 beschlossenen Nachlässe fallen im Vergleich dazu spärlich aus: In Staßfurt spart eine Familie im Jahr etwa 5 Euro, in Halle einen Zehner. Aber immerhin.

Noch kein Beschluss bei Eon-Avacon

Bei anderen passiert gar nichts. Eon-Avacon, das Tausende Haushalte vor allem im Norden Sachsen-Anhalts beliefert, hat noch keinen Beschluss gefasst. Die Städtischen Werke Magdeburg (SWM) etwa haben sich schon entschieden: Der Preis wird nicht gesenkt. Das Unternehmen begründet das vor allem mit höheren Ausgaben für das lokale Netz. Je Haushalt und Jahr steigen diese von bislang 16 Euro auf nun 45 Euro. Diese Kosten müssen eingespielt werden – unabhängig vom individuellen Verbrauch eines Kunden. Im deutschen Mittel liegt dieser Kostenblock sogar schon bei mehr als 80 Euro.

Zwar sinken die Ausgaben fürs überregionale Netz, doch die Kosten für die regionalen Leitungen vor Ort seien die Kostentreiber, sagt Thomas Pietsch von den SWM. „Einfach gesagt: Es geht um die Dicke der Kabel.“ Der Stromverbrauch geht zwar wie überall in Deutschland über den Tag verteilt etwas zurück, doch der Energiehunger zu bestimmten Spitzenzeiten sei deutlich angestiegen. Der Elektroherd verdrängt den Gasherd und mittlerweile stehen in vielen Haushalten stromfressende Wäschetrockner. Hinzu kommt, dass auch das regionale Netz je nach Wetterlage große Windstrommengen aufnehmen muss. Für all das sind größere Leitungsquerschnitte nötig.

Verbraucherschützer raten zu Tarifwechsel

Verbraucherschützer raten Familien, beim regionalen Anbieter in die günstigeren Haushaltstarife zu wechseln. Viele stecken nämlich noch im deutlich teureren Grundversorgertarif. Im Jahr kann eine Familie da schnell zwischen 85 Euro (Zerbst) bis 170 Euro (Schönebeck) sparen.

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