Magdeburg l Einer von vielen Löscheinsätzen im heißen Sommer 2019: Sechs Hektar trockenes Ödland stehen bei Zerbst in Flammen. Das Feuer rast auf ein Gebäude zu. Der Wind dreht mehrmals und heizt das Feuer an.

40 Grad Celsius machen den Frauen und Männern zusätzlich zu schaffen. Die Hitze staut sich unter der schweren Schutzausrüstung, Schwächeanfälle folgen. Solche brenzligen Situationen sind längst kein Einzelfall mehr. Denis Barycza, Stadwehrleiter der Zerbster Feuerwehr: „Einige Kameraden mussten deshalb auch schon vom Rettungsdienst behandelt werden.“

So wie den Zerbstern erging es in der letzten Zeit immer mehr Einsatzkräften im gesamten Land. Allein im vergangenen Jahr sind der Feuerwehr-Unfallkasse (FUK) Mitte 353 Unfälle im Zusammenhang mit Brandeinsätzen gemeldet worden. Im Jahr 2016 waren das mit 151 Meldungen nicht einmal die Hälfte. Detlef Harfst von der FUK Mitte: „Das Unfallgeschehen hat sich deutlich in Richtung Brandbekämpfung verschoben.“ Die häufigsten Unfallursachen insgesamt sind Stolpern, Ausrutschen oder Umknicken. Dies habe meist leichtere Verletzungen ausgelöst.

Einen tödlichen Unfall gab es 2019 nicht. Bei den Feld- und Waldbränden waren laut Harfst vor allem Erschöpfungszustände und Kreislaufzusammenbrüche die Folge. Aber auch Rauchvergiftungen nach einem Windwechsel seien bei den Vegetationsbränden gefährlich.

Welche Gründe gibt es?

Zur Entwicklung der Unfälle sagt er: „Es ist durchaus zu befürchten, dass sich der Trend auch in diesem Jahr fortsetzen könnte.“ Das glaubt auch Kreisbrandmeister für den Landkreis Anhalt-Bitterfeld Heiko Bergfeldt angesichts der zunehmenden Trockenheit: „Gerade in den Gebieten mit extrem hoher Waldbrandgefahr haben wir Probleme.“ Die Waldbrände haben sich laut Umweltministerium in den vergangenen zwei Jahren im Vergleich zum Zeitraum davor von 81 auf 275 mehr als verdreifacht. Die Einsätze auf landwirtschaftlichen Flächen ist nach einer Statistik der Feuerwehr von 47 auf 487 im Jahr 2018 gestiegen. Zahlen für 2019 liegen noch nicht vor.

Stadtwehrleiter Barycza sieht eine Lösung der Situation in der Schutzbekleidung. „Die Stadt Zerbst wird deshalb die komplette Schutzausrüstung auf eine atmungsaktivere umstellen“, sagt er. Damit soll der Hitzestau unter der Einsatzkleidung vermieden werden.

Schutzausrüstung

Die FUK Mitte begrüßt diesen Schritt. Harfst: „Der Schutzausrüstung kommt besondere Bedeutung zu. Zum einen sollen die Einsatzkräfte ausreichend geschützt werden, aber sie dürfen insbesondere in der Sommerhitze durch die schwere Bekleidung auch nicht unnötig körperlich belastet werden.“

Der Chef des Landesfeuerwehrverbandes Kai-Uwe Lohse spricht sich schon seit längerer Zeit für eine leichtere Schutzausrüstung aus: „Die bisherige Einsatzkleidung ist dicht und mehrlagig. Für den normalen Einsatz ist das auch gut so. Das ist aber so, als würde man mit dickem Wintermantel über Stunden in der Sonne bei 30 Grad Hitze den Garten umgraben.“ Die Anschaffungen müssten die Kommunen übernehmen. Lohse: „Das Innenministerium könnte aber bei der Beschaffung helfen.“