Tarifkonflikt: Gewerkschaft ruft erfolgreich zu 24-stündigem Warnstreik auf

Straßenbahnen und Busse sollen ab 0.30 Uhr wieder fahren

Von Michael Bock und Martin Rieß

An diesem Montag fahren in Großstädten und Teilen Sachsen-Anhalts keine Straßenbahnen, Busse und Schulbusse. Grund ist ein 24-stündiger Warnstreik der Beschäftigten. Zehntausende Fahrgäste sind betroffen. In der Nacht zum Dienstag soll in Magdeburg von 0.30 Uhr an wieder gefahren werden, wie eine MVB-Sprecherin am Abend mitteilte.

Magdeburg l In Magdeburg, Dessau-Roßlau, Halle und im Burgenlandkreis hat ein Warnstreik am Montagmorgen den öffentlichen Nahverkehr lahmgelegt. Seit 3 Uhr morgens seien keine Busse und Bahnen aus den Depots gefahren, sagte ein Verdi-Sprecher am Montagmorgen. Die gesamte Frühschicht habe die Arbeit niedergelegt. Der Sprecher zeigte sich mit dem Start des ganztägigen Warnstreiks zufrieden. "Alle Räder stehen still", sagte er. Auch Schulbusse sollten ausfallen.

Hintergrund für den Warnstreik ist der Tarifkonflikt für rund 1800 Beschäftigte im Nahverkehr in Sachsen-Anhalt. "Wir wollen nach zwei ergebnislosen Verhandlungsrunden endlich von den Arbeitgebern ein Angebot auf dem Tisch haben", sagte Verdi-Bezirksgeschäftsführer Lothar Philipp.

Der Volksstimme sagte er am Sonntag, Verdi verlange für die Beschäftigten im Nahverkehr einen Sockelbetrag von 350 Euro brutto mehr im Monat. Derzeit bekomme ein Beschäftigter zwischen 1600 und 2500 Euro brutto, im Durchschnitt 2300 Euro im Monat. Zudem solle die wöchentliche Arbeitszeit von derzeit 40 auf 38 Stunden sinken - bei vollem Lohnausgleich. Die nächste Verhandlungsrunde ist für den 5. März geplant.

Detlev Lehmann, Geschäftsführer des Kommunalen Arbeitgeberverbandes, hält die Forderungen für "maßlos". Philipp entgegnete: "Wenn sich die Arbeitgeber weiter nicht bewegen, werden wir die Streikmaßnahmen ausweiten."

Die Taxiunternehmen rechneten wegen des Streiks mit einem Ansturm. Sprecher der Taxigenossenschaften in Halle und Magdeburg sagten, es gebe bereits außergewöhnlich viele Vorbestellungen.

Die Sprecherin der Magdeburger Verkehrsbetriebe, Juliane Kirste, sagte, dass die MVB erst mit Streikbeginn koordinieren konnten, welche Busse und Bahnen dennoch fahren.

Erst im Spätherbst hatte Uneinigkeit zwischen dem Betriebsrat und der Unternehmensführung auf dem innerstädtischen Nahverkehrsnetz zu Einschränkungen geführt. Damals war die Straßenbahnlinie 8 zwischen Neustädter See und Buckau für Tage vom Netz genommen worden. Hauptkonfliktpunkt war seinerzeit die Einteilung der Dienste gewesen.