Die AfD ist mit ihrer ersten Veranstaltung an der Uni Magdeburg gescheitert. Rund 400 Studenten haben einen Vortrag der Campus Alternative verhindert – Sitzblockaden, Trillerpfeifen und Sprechchöre sind die bewährten Mittel des „zivilen Ungehorsams“. Die Studenten haben der AfD, die sich auf einem Siegeszug durch die ganze Bundesrepublik wähnt, deutlich vor Augen geführt, dass es für sie schwer werden dürfte, sich an der Hochschule zu etablieren. Vom Abbruch der Veranstaltung dürften die Rechtspopulisten dennoch profitieren. Wer einen Hörsaal erst unter Polizeischutz verlassen kann, hat es leicht, sich weiter in der Opferrolle darzustellen. Das tut die AfD gern.

Natürlich haben die Studenten das Recht, ihre Ablehnung auszudrücken. Und natürlich hat die AfD diesen Protest erwartet und für ihre PR-Zwecke fest einkalkuliert. Doch am Donnerstagabend wurden Grenzen überschritten. Und das lag in erster Linie nicht an den Rechtspopulisten. Provokationen und Aggressionspotenzial gingen zunächst von linken Aktivisten aus, die ebenfalls da waren. Sie bepöbelten und bedrängten die AfD-Leute bereits, als diese den angemieteten Hörsaal betraten. Das ist gerade für einen akademischen Standort unwürdig.

Die Uni hat das Veranstaltungsformat unterschätzt. Es waren nicht genügend Sicherheitskräfte vor Ort. Bei einer provozierenden Debatte der AfD zum Thema Geschlechterforschung hätte die Uni-Leitung damit rechnen müssen, dass im Hörsaal nicht nur pfeifende Studenten, sondern auch Leute der Antifa auftauchen. Selten war es für die linke Szene so einfach, eine Veranstaltung für sich einzunehmen. Man kann nur von Glück sprechen, dass die Situation nach dem Böllerwurf auf AfD-Landeschef Poggenburg, den Tritten und Faustschlägen von Gegnern und Anhängern der AfD nicht völlig eskaliert ist.

Es ist ärgerlich, dass Sachsen-Anhalt mal wieder bundesweit mit Negativschlagzeilen in den Medien präsent ist. Dass die AfD erfolgreich um eine inhaltliche Debatte herumgekommen ist, in der man sie hätte stellen können. Und dass die Rechtspopulisten wohl bald den nächsten Versuch starten werden, um an der Uni Flagge zu zeigen. All dies wäre – mit ein bisschen mehr Weitblick der Beteiligten – zu verhindern gewesen.