Zeitz/Magdeburg (dpa) l Was ist aus den ausgewanderten Urgroßeltern geworden und wo liegt der Ursprung der Familie? Immer mehr Menschen in Sachsen-Anhalt beschäftigen sich mit ihrer Familiengeschichte. Es gebe einen Trend zur Erbenermittlung und Ahnenforschung, teilte das Stadtarchiv Weißenfels mit. 87 Prozent aller schriftlichen Anfragen im Jahr 2017 an das Archiv hätten sich auf das Thema bezogen. Dabei erreichen die Mitarbeiter Bitten aus verschiedensten Regionen. Eine Frau aus Brasilien habe nach ihrer Ururgroßmutter gesucht. Mitarbeiter des Stadtarchivs fanden sie im Geburtenregister – und den Beleg, dass die Gesuchte tatsächlich ausgewandert war.

Auch das Stadtarchiv in Magdeburg befasste sich im vergangenen Jahr mit aufwendigen Fällen. Eine Schriftstellerin aus Amsterdam beispielsweise sei auf der Suche nach ihrem Onkel gewesen, teilte Mitarbeiterin Ines Jordan mit. Wie sich herausstellte, war der Gesuchte – selbst Niederländer und als Zwangsarbeiter in Deutschland - 1945 bei einem Bombenangriff ums Leben gekommen. "Das Interesse an Ahnenforschung besteht nach wie vor", sagte Jordan. Zwar seien die schriftlichen Anfragen 2017 im Vergleich zum Vorjahr leicht gesunken. Der Rückgang resultiere aber vermutlich daraus, dass seit Ende 2016 ein Teil der Datenbank online zugängig ist. Viele Benutzer könnten somit von zuhause aus Ahnenforschung betreiben.

Im Stadtarchiv in Halle stiegen die Anfragen zuletzt deutlich – und zwar bereits seit 2009. Das hänge mit dem geänderten Personenstandsrecht zusammen, sagte Ralf Jacob, Leiter des Stadtarchivs. Um die vielen Anfragen zu bearbeiten, wurde 2011 sogar eine zusätzliche Stelle geschaffen. Mehr als 400 Anfragen zum Thema Ahnenforschung erreichen das Stadtarchiv jährlich auf dem Postweg oder per E-Mail. In etwa zehn Prozent der Fälle recherchierten Bürger auch eigenständig vor Ort. Den Rest, oft auch aus dem Ausland, bearbeiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Stadtarchivs, so Jacob.

Auch in Dessau-Roßlau registrierte das Stadtarchiv 2017 eine Zunahme schriftlicher Anfragen. Waren es zwischen 2014 und 2016 immer um die 120, gingen im vergangenen Jahr 147 Anfragen ein. Die Recherche vor Ort hingegen sei mit knapp 50 Nutzungen etwa gleichgeblieben, teilte Archivleiter Frank Kreißler mit. Seiner Einschätzung nach wächst das Interesse am Thema noch weiter: Seit Jahresbeginn 2018 seien bereits mehr als 30 neue Anfragen im Stadtarchiv Dessau-Roßlau eingegangen.