Magdeburg (dpa) l Die Warteschlangen an den sogenannten Milchtankstellen sind kürzer geworden. Nach Angaben von Agrarexperten rechne sich der Verkauf per Automat für so manchen Bauern nicht wirklich. Trotz Stammkunden und auf den Direktverkauf regionaler Produkte achtende Verbraucher reichten diese abgesetzten Milchmengen kaum aus, um die Kosten für den Landwirt zu decken. "Die Milchtankstellen waren vor einigen Jahren fast wie Pilze aus dem Boden geschossen, als der Preis pro Liter besonders tief im Keller war", sagte eine Sprecherin des Bundesverbandes der Milchvermarkter (Dohren/Niedersachsen). Die Verbraucher kaufen ihre Milch dabei an einem speziellen Automaten direkt auf dem Bauernhof, im Hofladen oder beim Lebensmittelhändler.

Allerdings gebe es keine zentrale Übersicht, wie viele dieser Milchtankstellen es derzeit noch gibt. Etwa 2015 gingen die ersten Aktivitäten dafür los. In Hofmolkereien und in Verkaufsräumen von Agrarbetrieben seien sie bei Kunden aber nach wie vor gefragt. Dem Verband gehören nach eigenen Angaben rund 50 Agrarbetriebe in Deutschland an, die sich auf Direktvermarktung von Milch und Milchprodukten spezialisiert haben.

Laut Bauernverband werden jährlich pro Kopf rund 84 Kilogramm Milch und Milchprodukte in Deutschland verbraucht. Deutschland sei mit seinen gut vier Millionen Milchkühen nicht nur geografisch ein zentraler Milchproduzent in Europa, pro Jahr lieferten die Betriebe rund 33 Millionen Tonnen Milch an die Molkereien, wie ein Sprecher mitteilte. Viele neue und höhere Anforderungen an die Haltungsbedingungen sowie steigende Kosten erschwerten den Betrieben aber eine kostendeckende Wirtschaftsweise, teilte der Landesbauernverband zum Tag der Milch (1. Juni) mit.

In Sachsen-Anhalt sind laut Agrarmarketinggesellschaft unterdessen schätzungsweise nur noch die Hälfte der anfangs etwa 40 Milchtankstellen aktiv. Zudem seien die Automaten ein Nischenprodukt, um Bauern eine zusätzliche Einkommensquelle zu ermöglichen, sagte Wolfgang Zahn, der bei der Gesellschaft den Bereich Landwirtschaft verantwortet. So gebe es in den Hofläden und mit dem Verkauf "neben dem Stall" Stammkunden und Verbraucher, denen die Herkunft sehr wichtig ist. "Grundsätzlich sollte man sich mehr für regionale Erzeuger einsetzen", sagte Zahn.

Der Landesbauernverband verwies auf die Arbeit, die mit der Milcherzeugung verbunden ist. "Tagtäglich stehen Melker früh auf, um sich um die Tiere zu kümmern und den Nachschub an frischer Milch sicherzustellen", erklärte er. Die Milchviehhaltung sichere in Sachsen-Anhalt in ländlichen Gebieten Arbeitsplätze.