Magdeburg l Eine 33-jährige Polizeikommissarin, ihr 51-jähriger Kollege und ein 33-jähriger Polizeimeister waren diejenigen, die am 9. Oktober in Halle in der Schießerei mit dem Attentäter verwickelt waren. Die Bilder gingen um die Welt. Nach Darstellungen der Polizisten soll sich alles so abgespielt haben:

Nach dem Funkspruch fährt ihr Wagen zunächst Richtung Synagoge. Kurz vor dem Ziel legen sie die Schutzausrüstung an. Der Polizeimeister, der an diesem Tag zufällig mit an Bord des VW Passat ist, nimmt die einzige Maschinenpistole MP 5 an sich. Alle anderen sind nur mit der Pistole P 6 bewaffnet. In der Ludwig-Wucherer-Straße treffen sie gegen 12.15 Uhr auf den Attentäter. Der stoppt seinen Wagen, nimmt seine selbstgebaute Schrotflinte, positioniert sich hinter der Fahrertür.

50 Meter Entfernung

Die Entfernung zwischen dem Polizeiwagen und dem Täterauto beträgt geschätzt 50 Meter. Der Angreifer eröffnet das Feuer. Wie sich später herausstellt, verursachen die Geschosse kleine Einschusslöcher am Polizeiwagen. Zeitgleich steigen auch die Beamten aus, gehen in Deckung. Kniend wagt sich der Polizeimeister mit der MP 5 kurz aus der Deckung. Er gibt zwei Schüsse auf Stephan B. ab. Der wird am Hals getroffen, ist für Sekunden bewusstlos. Ein weiterer Schuss löst sich versehentlich aus der MP 5 und zerstört die Heckscheibe des Polizeiautos. Seine Kollegin schreit: „Stopp!“ Grund ist ein hinter dem Attentäter herannahendes Auto. Die anderen Beamten lassen ihre Pistolen stecken.

Videos

 Auf der Entfernung wären sie zu ungenau. Als der Täter mit dem Wagen flüchtet, gibt der Beamte zwei weitere Schüsse ab. Er kann den Wagen nicht aufhalten. Dass der Attentäter getroffen ist, erfahren sie erst am Abend vom Kriseninterventionsteam. Die Polizisten müssen sich später in psychologische Betreuung begeben. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.

Weitere Einzelheiten zum 13. Prozesstag erfahren Sie in diesem Video von Videoredakteurin Samantha Günther. In dem sich unter anderem der Rechtsanwalt Jan Siebenhüner äußert.