Dessau/Holbaek l Ob die Generalstaatsanwaltschaft in Naumburg einen Auslieferungsantrag für die beiden in Dänemark festgenommen Brüder stellen wird, ist bisher noch unklar. Oberstaatsanwalt Klaus Tewes sagte gestern der Volksstimme, dass dazu ein europäischer Haftbefehl ausgestellt werden müsse: „Wir warten ab, was jetzt auch in Dänemark noch ermittelt wird." Die Festnahmen dort erfolgten alle nach dänischem Recht. Nur einer der drei Brüder im Alter von 33, 36 und 40 Jahren befindet sich in Hessen in Untersuchungshaft.

Gegen alle drei hatte am vergangenen Sonnabend das Amtsgericht Dessau-Roßlau Haftbefehl auf Antrag der Staatsanwaltschaft erlassen. Bei der Durchsuchung der Wohnung am Tag zuvor in der Dessauer Innenstadt hatten Ermittler die zuvor in einem polnischen Onlinehandel bestellten kilogrammweise Chemikalien zum Bau von Sprengstoff zwar nicht gefunden, dafür aber unter anderem zehn Kilogramm Schwarzpulver, Zündschnüre und eine Flagge der Terrormiliz IS.

Laut Tewes beobachte der Generalbundesanwalt in Karlsruhe die Entwicklung in dem Fall. Es könnte auch sein, dass dieser das Verfahren noch an sich ziehe.

In Dänemark sind indes weitere Details bei einer Pressekonferenz in Søborg bei Kopenhagen bekannt gegeben worden. So gab es dort 13 Festnahmen. Die Frauen und Männer befinden sich aktuell in Untersuchungshaft. Die dänische Polizei hat zudem bei Hausdurchsuchungen Materialen für den Bau von Bomben und Waffen, darunter eine Pumpgun und ein Jagdriffel mit Zielfernrohr sichergestellt.

„Die Funde sind besorgniserregend", sagte Flemming Drejer, operativer Chef des dänischen Inlandsnachrichtendienstes. Die Verdächtigen hätten das sichergestellte Material noch nicht zu Sprengsätzen zusammengebaut. Deshalb gehe er nicht davon aus, dass ein möglicher Terrorangriff unmittelbar bevorstand. „Aber wir sind nicht naiv" – es werde mit Hochdruck ermittelt, auch in Zusammenarbeit mit den deutschen Behörden.

Zu weiteren Details halten sich die dänischen Behörden bedeckt. „Viele Fragen können wir noch nicht beantworten, einige wenige wollen wir noch nicht beantworten, um die Ermittlungen nicht zu gefährden", sagte Drejer.

Bisher waren nur Hausdurchsuchungen in Dessau und der dänischen Hafenstadt Holbæk bekannt – die zuständige Polizeichefin Lene Sørensen sagte, dass es in der Angelegenheit noch weitere Aktionen der dänischen Polizei gegeben habe. Wo genau diese stattgefunden haben, wollte sie nicht kommentieren. Ob noch weitere Verdächtige auf freiem Fuß sein könnten, dazu äußerte sie sich ebenfalls nicht.